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Holsteinischer Courier

27. Juni 2017 | 07:30 Uhr

Kirche : Pastor Gerson Seiß geht neue Wege

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nach neun Jahren in der Vicelinkirche wechselt er zur Militärseelsorge. Seine Verabschiedung ist am Sonntag.

Neumünster | Krisenherde, Kriege und Terror an vielen Orten auf der Welt – kann man da noch an Gott glauben? Pastor Gerson Seiß (60) überlegt nicht lange: „Gott kam als Kind in die Welt, ohne Gewalt, ohne Macht“, sagt er und zitiert die Bibel: „Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, sein Zepter ist Barmherzigkeit.“ Für ihn sei eines leitend: „Wie lässt sich die biblische Botschaft von der Menschenfreundlichkeit Gottes ganz konkret in kirchlichem Handeln abbilden? Ich bin der Überzeugung: Reden allein reicht nicht, sondern man sollte Reden mit Erleben und Tun verbinden.“ Das Thema Krieg wird für ihn bald sehr präsent sein: Nach neun Jahren in der Vicelin-Gemeinde wird er als Militärseelsorger in das Evangelische Militär-Pfarramt nach Heide wechseln.

Vor fast zehn Jahren kam Seiß nach Neumünster in die Vicelinkirche. „Der jüngere unserer beiden Söhne ging noch auf die Grundschule. Inzwischen liegt sein Abitur schon ein Jahr zurück“, erzählt Seiß. In den Jahren hat er mit vielen Menschen gesprochen, vieles erlebt und im Sinne des „Gleichklangs von Wort und Tat“ auch ganz konkret Dinge angestoßen. Wie zum Beispiel das Vicelin-Forum als einen Ort der Meinungsbildung. „Kirche muss in den heutigen Zeiten ein attraktives Angebot machen“, betont Seiß. Er rief auch einen Männerkreis ins Leben.

„Ich möchte mein Handeln so gestalten, dass man den Menschen anbietet, was ihnen gut tut und was ihnen hilft, zu leben, ganz im Sinne praktischer Nächstenliebe. Ich möchte die Menschen in ihren Fragen und in ihrem Suchen nach Antworten so berühren, dass sie etwas mitnehmen können, einen Impuls zum Weiterdenken, eine Vergewisserung ihres Glaubens, einen Horizont, der sich weitet.“ Als Pastor war Seiß auch zuständig für die Begleitung der Vicelin-Kita am Mühlenhof, aber auch den Entwicklungsprozess der Gemeinde: Wie gestaltet man die Zukunft mit den finanziellen und personellen Ressourcen?

Seiß stammt aus Göttingen, machte in Neumünster auf der Holstenschule Abitur und war nach dem Studium zunächst in der Einfelder Christuskirche tätig. Er ging auch viel auf biblische Reisen – zum Beispiel pilgerte er 2014 den Jakobsweg. „Man reiht sich ein in einen Strom von Menschen auf der Suche nach spiritueller Erfahrung. Man erlebt, mit wie wenig man auskommt. Und man freut sich über die physisch vollbrachte Anstrengung“, erklärt er die Faszination Jakobsweg. Im Rückblick sagt er: „Ich hatte eine schöne Zeit mit vielen freundlichen Menschen und tollen Ehrenamtlichen. Es war eine gute Zeit.“

Seine Kollegin Pastorin Diana Wegener schreibt im Gemeindebrief: „Wir sind dankbar für die bleibenden Spuren, die Pastor Seiß in der Gemeinde und unseren Herzen hinterlässt. Er wird vielen fehlen, als Mensch und als Pastor.“ Die zweite Kollegin, Pastorin Simone Bremer, erinnert sich: „Er rief damals aus Kabul an.“ Denn Seiß war von 2000 bis 2008 als Militärseelsorger in Boostedt tätig und zweimal in Afghanistan: „Der Bedarf ist groß nach Seelsorge in einem Ausnahmezustand. Das ist nicht schwieriger, sondern anders.“

Warum wechselt er aus einer sicheren, vertrauten Gemeindearbeit auf dieses Terrain? „Ich wollte noch einmal etwas Neues machen“, erklärt er und spricht nur kurz von „unterschiedlichen Meinungen über die Gemeindeleitung“. Er und seine Familie bleiben in Neumünster, ziehen aber um. Am Sonntag, 18. Juni, wird Seiß in der Vicelinkirche mit einem Gottesdienst verabschiedet.

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erstellt am 14.Jun.2017 | 15:00 Uhr

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