zur Navigation springen

Vor der Kommunalwahl : Parteien-Streit um Hotelpläne an der Stadthalle

vom

Rat billigt in geheimer Sitzung Grundstücksverkauf an der Stadthalle. Die SPD lehnt ab und wirft der Stadt Konzeptlosigkeit vor. OB Tauras: "Das ist eine Chance für die Stadt".

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2013 | 07:52 Uhr

Neumünster | Drei Wochen vor der Kommunalwahl haben Neumünsters Parteien offenbar ein heißes Thema gefunden: Es gibt Pläne zum Bau eines neuen Kongresshotels direkt neben der Stadthalle, die jetzt zwischen die Wahlkampffronten zu geraten drohen.

In geheimer Abstimmung hatte der Rat in seiner jüngsten Sitzung dem Verkauf eines 1084 Quadratmeter großen Grundstücks direkt neben der Stadthalle zugestimmt. Eine Projektgesellschaft aus Hamburg will auf dem Gelände, das derzeit von C&A als Parkplatz genutzt wird, und dem benachbarten Grundstück ein Vier-Sterne-Hotel mit 130 Zimmern und Suiten errichten - nach Courier-Informationen für rund 17,5 Millionen Euro. Stadtverwaltung und Befürworter des Projekts versprechen sich von dem neuen Hotelkomplex, der dem Vernehmen nach eng mit der benachbarten Stadthalle verzahnt werden soll, einen Schub für Neumünster als Einkaufs- und Messestadt.

Mit dem Kaufpreis für das Grundstück will der Investor auch die Ablösesumme für die C&A-Parkplätze übernehmen, insgesamt rund 360 000 Euro. Die SPD und Jörn Seib (Bündnis für Bürger) hatten in der Sitzung gegen den Verkauf gestimmt.

Der CDU-Vorsitzende Torsten Geerdts kritisierte das gestern: Die SPD stelle sich mit ihrer Ablehnung erneut gegen eine Zukunftsentscheidung zur Stärkung der Innenstadt; sie verhindere die Weiterentwicklung des Kleinfleckens, der insbesondere neben der Stadthalle dringend aufgewertet werden müsse, wettert Geerdts.

SPD-Spitzenkandidat Uwe Döring wies das postwendend zurück. Der SPD sei gar keine andere Wahl geblieben, als die Vorlage abzulehnen. Die Hotelpläne der Verwaltung offenbarten einmal mehr die Konzeptionslosigkeit, sagte Döring. Weder gebe es eine nachvollziehbare Strategie noch Antworten auf entscheidende Fragen zu Auswirkungen und Folgen, kritisiert Döring. So sei etwa völlig unklar, wie das Vier-Sterne-Hotel die in Aussicht gestellten Synergien mit der Stadthalle umsetzen wolle. Der Investor habe offenbar ein starkes Interesse daran, die Stadthalle mitzunutzen, keinesfalls dürfe dabei aber das Vermögen der Stadt zugunsten eines privaten Investors geschädigt werden, mahnt Döring. Auch gebe es keine verlässlichen Zahlen darüber, wie groß der Bedarf an hochwertigen Hotelbetten in der Stadt tatsächlich ist. Die SPD sei nicht grundsätzlich gegen ein neues Hotel, lehne aber die "investorengesteuerte Planung" der Stadt ab, sagte Döring, der auch Aufsichtsrats-Chef der Holstenhallen (und damit auch der Stadthalle) ist.

Ähnlich verteidigte BFB-Chef Jörn Seib gestern sein Nein zum Grundstücksverkauf. Es sei "überaus misslich, eine vielleicht sinnhafte Sache ablehnen zu müssen, weil man keine Informationen bekommt", sagte Seib. Vom geplanten Grundstücksverkauf habe man erst aus der Dringlichkeitsvorlage im Rat erfahren.

Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras verteidigte gestern sein Vorgehen. Man verkaufe nicht einfach ein Grundstück; der Handel sei sehr wohl in ein Konzept eingebunden, das man im Herbst "in aller Ruhe" im Bauausschuss vorstellen werde, sagte der OB. Erst danach werde das Grundstück gegebenenfalls endgültig verkauft. Im Idealfall löse die Stadt mit dem Hotel-Neubau nicht nur ein städtebauliches Problem, sondern reduziere auch die Defizite der Stadthalle.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen