Neumünster : Paradiesvogel der Kneipenszene sagt tschüs

Heiner Thauren – die Sammelbüchse für die Aids-Hilfe gehört zum Tresen-Inventar.
Heiner Thauren – die Sammelbüchse für die Aids-Hilfe gehört zum Tresen-Inventar.

Gastwirt Heiner Thauren (64) tritt heute bei einer Abschiedsparty im „Heiner’s“ vom Tresen ab. Szenelokal an der Gasstraße wird fortgeführt.

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31. März 2018, 12:23 Uhr

Neumünster | „Nach 47 Jahren ist jetzt Schluss mit lustig“, sagt Heiner Thauren. Der 64-Jährige ist als Wirt des „Heiner’s“ an der Gasstraße 4 bekannt wie ein bunter Hund und fast schon eine Institution in Neumünster.

Die Sammelbüchse für die Aids-Hilfe am Tresen ist ebenso Markenzeichen wie das laszive Airbrush-Kunstwerk an der Wand, die von der Decke hängenden Dildos oder Heiners Kopfbedeckung, eine Polizeimütze aus den 60er-Jahren. „Ohne Mütze geht gar nichts“, sagt Thauren, der eigentlich gelernter Masseur ist.

„1971 bin ich dann in die Gastronomie versunken“, sagt er. Erste Station als Kellner war die Diskothek „Bellavista“ über dem damaligen Capitol-Kino. Heute ist dort das Kundencenter der Stadtwerke. Danach kellnerte Thauren im nicht minder legendären „Drugstore“ auf der Großflecken-Insel beim damaligen Zob. „Das war praktisch, der Taxenstand war gleich nebenan. Den Fußgängertunnel gab es auch noch, der war immer vollgepisst“, so Thauren. Der „Drugstore“-Pavillon verschwand mit der Umgestaltung des Großfleckens. Thauren blieb der Gastronomie erhalten, arbeitete im „Capt’n Cook“ am Haart, im „McKilroy“ am Großflecken, im Nachtclub „Tiffany“ an der Kieler Straße 48, dann im „Na und“ an gleicher Stelle.

2002 eröffnete Thauren dann das „Heiner’s“ an der Gasstraße. „Hier kommen sie alle her“, so Thauren. Die Szenekneipe war nur freitags, sonnabends und an Feiertagen geöffnet. „Ab 20 Uhr Uhr mit Open End. Das längste war mal halb 12 mittags“, sagt Heiner Thauren, der auf ein treues Stammpublikum, aber auch viele junge Leute bauen kann, die vom „Heiner’s“ gehört haben und neugierig sind.

Drei Mitarbeiter arbeiten in der Kneipe. „Livemusik oder sowas brauchten wir nie. Das ‚Heiner’s‘ war immer gut besucht“, sagt Thauren und macht deutlich: „Ich gehe jetzt nicht in den Ruhestand, sondern komme immer mal wieder mit Events.“ Das aber nicht mehr selbstständig und auf eigenes unternehmerisches Risiko. Bekannt ist der gebürtige Neumünsteraner auch durch sein langjähriges Engagement für die Aids-Hilfe. „Früher bin ich noch selbst auf Straßensammlung gegangen und habe rote Schleifen und Teddys verteilt“, so Heiner Thauren.

Heute können die Gäste ihn nochmal in Aktion sehen. „Am Sonnabend ist Abschiedsparty – vermutlich mit viel Tränen“, so Thauren. Es geht unter dem Markennamen „Heiner’s“ weiter. Am Freitag, 6. April, übernimmt die aus dem Hamburger „Pulverfass“ bekannte Transe Jenny die Regie.

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