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Holsteinischer Courier

17. Oktober 2017 | 21:23 Uhr

Boostedt : Papiere zu schicken, reicht nicht

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Nordkirche und der Kirchenkreis Altholstein haben Gäste aus fünf Ländern. Gestern stand das Thema Flüchtlinge im Fokus.

von
erstellt am 15.Sep.2015 | 10:00 Uhr

Boostedt | Oskars Smolaks wird das Kinderlachen in der Boostedter Flüchtlings-Erstaufnahme als Zeichen der Hoffnung in Erinnerung bleiben. Der Vikar der Lutherischen Kirche in Lettland gehört zu den internationalen Gästen der sogenannten Partnerkirchenkonsultationen der Nordkirche. Beim Kirchenkreis Altholstein kommen die Besucher auch aus England, Schweden, Brasilien und Tansania. Der Besuch in Boostedt war nur eine Station im prall gefüllten Programm.

„Wenn wir ökumenische Partnerschaft wirklich ernst nehmen, reicht es nicht, Papiere hin und her zu schicken. Wir brauchen den persönlichen Austausch auf Augenhöhe“, sagte Propst Kurt Riecke. Gestern stand der Tag fast ganz im Zeichen der aktuellen Flüchtlingsfrage. Nach einem Informationsvortrag von Pastorin Isabel Frey-Ranck über die Arbeit der Bonhoeffer-Gemeinde in Neumünster und bei Bartholomäus in Boostedt wurden die Gäste durch die Erstaufnahme geführt.

Hier führten sie Gespräche mit den Mitarbeitern des Deutschen Roten Kreuzes. Im Anschluss gab es im Gemeindehaus eine Diskussionsrunde mit ehrenamtlichen Helfern, Schleswig-Holsteins Flüchtlingsbeauftragtem Stefan Schmidt und dem Kirchenkreisbeauftragten Joachim Wöbke. „Wir sind alle ziemlich am Limit. Ohne das Ehrenamt würde es nicht gehen, aber wir benötigen jetzt dringend hauptamtliche Unterstützung“, sagte Schmidt.

Maureen Hobbs, Geistliche der mittelenglischen Diözese Lichfield, zeigte sich beeindruckt, wie gut in Deutschland, staatliche Stellen, Kirche und andere Organisationen bei der Flüchtlingshilfe kooperieren. „In meiner Diözese gibt es gerade mal eine Gemeinde, die das macht – und das aus eigenem Antrieb und auf eigene Kosten“, sagte sie.

Am Sonntag hatte der Kirchenmusiker Patrik Sassersson aus Växjo/Schweden am Gottesdienst in Neumünsters Anscharkirche teilgenommen, die tansanische Krankenschwester Severa Moris Massawe war in der Bonhoeffer-Gemeinde, Oskars Somolaks predigte in Boostedt. Heute besucht die Gäste-Runde des Kirchenkreises Altholstein die Eiderheim-Werkstätten des Landesvereins für Innere Mission in Flintbek. Am Nachmittag steht in Kiel das Thema Klimaschutz auf der Agenda, am Mittwoch geht es für die Besucher, die in Brokenlande untergebracht sind, weiter ins nordfriesische Breklum.

„Wir wollen gleichberechtigt miteinander diskutieren: Wie wollen unserer Verantwortung als Kirche in der Welt gerecht werden. Manchmal hat man da blinde Flecken und kreist um sich selbst“, sagte Propst Kurt Riecke.

Die Partnerkirchenkonsultationen mit Delegierten aus 32 Partnerkirchen und Partnerdiözesen der Nordkirche dauern noch bis zum 20. September. Das Motto lautet: Gemeinsam den Weg der Gerechtigkeit gehen. Zuletzt gab es einen solchen internationalen Austausch vor zehn Jahren. 

 

 

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