Gerichtsbericht : Paketbote stahl immer wieder teure Kameras

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Nach einem umfassenden Geständnis gab es eine Bewährungsstrafe.

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20. Mai 2015, 05:30 Uhr

Neumünster | Der Mann (32) war Fahrer bei einem Paketdienst in der Stadt. Lediglich 800 Euro netto brachte ihm der Vollzeit-Job am Monatsende ein. Da war die Versuchung groß. Vier Mal soll er von Oktober 2013 bis März 2014 teure Foto-Apparate aus den Paketen gestohlen und sie anschließend bei Ebay verkauft haben. Insgesamt steckte er zwölf Nikon-Kameras ein. Die Sache flog auf. Gestern musste sich der Mann vor dem Amtsgericht verantworten.

Dort stand gleich eine weitere illegale Einnahmequelle zur Debatte: So soll der Angeklagte damals auch noch Hehlerware an- und verkauft haben. Für 1000 Euro erwarb er laut Staatsanwaltschaft sechs Reifensätze und für insgesamt 300 Euro zwei neue Handys.

„Ja, das war so“, gab der mittlerweile arbeitslose Neumünsteraner gestern betreten zu. „Ich hatte Schulden und brauchte das Geld auch für meine Miete und den Lebensunterhalt. Meine damalige Freundin hatte keinen Job“, so der Vater eines Kindes. Deshalb kam er irgendwann auf die Idee, sein mieses Einkommen durch die Diebstähle aufzubessern. Er löste das Klebeband von den Kartons, holte die teure Technik heraus, klebte die Kästen wieder zu und lieferte sie leer aus. Dass man ihm nach Beschwerden von Kunden leicht auf die Schliche kommen würde, darüber dachte er lieber nicht nach. „In der Zeit verschwand in der Firma immer wieder was. Da klauten auch andere“, erzählte er gestern der Richterin.

Auch über die extrem günstigen Autoreifen und die beiden billigen Handys habe er sich kaum Gedanken gemacht. „Ich bin zum Treffpunkt gefahren, hab die Sachen bezahlt, verkauft und fertig“, schilderte er.

Gestern erhielt der Mann, der vor den vorgeworfenen Taten schon einmal wegen Betrugs aufgefallen war, vor Gericht die Quittung für seine illegalen Einnahmequellen. Die Richterin verurteilte ihn zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe, die aber auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem muss der Angeklagte 75 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Die Juristin hielt ihm das von Beginn an umfassende Geständnis zugute, erinnerte aber gleichzeitig an den hohen Schaden, den er durch den Diebstahl der teuren Kameras angerichtet hatte. Mit ihrem Urteil folgte sie im Wesentlichen dem Antrag der Staatsanwältin. Der Verteidiger hatte eine sechsmonatige Bewährungsstrafe für ausreichend gehalten. Für die Zukunft setzte der Anwalt auf die Hilfe der Familie. Die will dem jungen Mann „unter die Arme greifen, damit er aus dem ganzen Mist rauskommt“. Immerhin warten noch Schadensersatzforderungen auf ihn.

Der Angeklagte nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an.

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