Flüchtlinge in Neumünster : Pädagogische Arbeit rückt in den Fokus

Das DRK hat für die Flüchtlingsbetreuung eine Tochter gegründet.
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Das DRK hat für die Flüchtlingsbetreuung eine Tochter gegründet.

Das DRK hat in der Erstaufnahme für Asylbewerber am Haart Aufgaben abgegeben, setzt mit der Betreuungseinrichtung aber auch neue Schwerpunkte.

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12. Januar 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Zu Spitzenzeiten im November 2015 platzte die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende am Haart mit über 7000 Menschen aus allen Nähten. Mit der Unterbringung, Verpflegung und ärztlichen Versorgung standen Grundbedürfnisse im Vordergrund. Mittlerweile rückt für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) aber die pädagogische Arbeit immer mehr in den Fokus.

Das DRK hat seit Jahresbeginn mit der dafür eigens gegründeten Tochtergesellschaft den Betreuungsauftrag in Neumünster und Boostedt vom Land erhalten. „Zurzeit betreuen wir rund 500 Flüchtlinge und Asylbewerber am Haart und etwa 700 in Boostedt“, sagt Maria von Glischinski, die Projektleiterin für beide Standorte. Durch die Schließung der Erstaufnahme in Glückstadt zum Jahresende 2017 gibt es nur noch drei solche Einrichtungen im Land: Neumünster mit der Außenstelle in Boostedt sowie Rendsburg.

Das DRK leistet mit der Betreuungsgesellschaft nicht nur die Verfahrens- und Sozialberatung im Asylverfahren und bei Konflikten, Krankheit oder Behinderung. „Wir bieten hier auch sinnvolle Freizeitbetätigungen an“, sagt Maria von Glischinski und nennt als Beispiele die Nähstube für Frauen und Männer, Kreativangebote wie Malen und Basteln oder Sportangebote.

Letztere gibt es zurzeit nur in der Boostedter Sporthalle. Bewohner aus Neumünster werden extra zum Sport in die Nachbargemeinde gefahren. „Aber demnächst haben wir hier am Haart unseren eigenen Fitnessraum“, sagt Maria von Glischinski. Einmal in der Woche geht es zum Schwimmen ins Bad am Stadtwald.

Für die Kinder gibt es die Spielstube, eine Krabbelgruppe und eine Nachmittagsbetreuung. „Wir arbeiten hier auch mit Kooperationspartnern wie dem Projekthaus und verschiedenen Schulen zusammen“, sagt Tina Steuer, die Einrichtungsleiterin in Neumünster. Stichwort Schule: Die im September 2016 begründete Flüchtlingsschule in der Erstaufnahme ist nicht mehr beim DRK angesiedelt. Seit Jahresbeginn hat die Stadt als Schulträger diese Aufgabe übernommen. Die Hans-Böckler-Schule betreut auf dem ehemaligen Kasernengelände eine Außenstelle. In Boostedt ist die Gemeinschaftsschule zuständig (der Courier berichtete).

Auch der ärztliche Dienst wird seit diesem Jahr nicht mehr vom DRK wahrgenommen. Das macht jetzt die Notarztbörse, die zum Teil die hier vorher tätigen DRK-Mitarbeiter übernommen hat.

Wichtige DRK-Aufgabe bleibt neben dem Betrieb der Küche die sogenannte Hausbetreuung. Die DRK-Mitarbeiter sind erste Ansprechpartner für die Sorgen und Nöte der Bewohner. Seit dem 1. Januar heißt es sogar „Betreuung 24/7“ – das DRK ist rund um die Uhr auf dem Gelände der Erstaufnahme präsent.

Die lange Zeit in einem ehemaligen Discounter untergebrachte Kleiderkammer wurde vor einem halben Jahr schon wieder in die Erstaufnahme verlegt. In Boostedt gibt es ein richtiges „Kleiderhaus“, in dem die Klamottenspenden gesichtet und sortiert werden. Dabei engagieren sich auch viele Ehrenamtliche und Bewohner der Erstaufnahme.

Etwa 30 Ehrenamtler zählt das DRK in Boostedt, in Neumünster sind es 15. „Wir würden uns über Verstärkung freuen“, sagt Maria von Glischinski und lobt „Wibo – Willkommen in Boostedt“, die Initiative der Kirchengemeinde. Vorbildlich sei auch der Sportverein.

„Betreuung ist wichtig, gerade für Menschen, die warten. Sei es auf Bescheide oder auf Infos aus dem Heimatland. Deswegen steht die pädagogische Arbeit zurzeit sehr im Fokus“, sagt Maria von Glischinski und nennt das Theaterprojekt „Ich Flüchtling“ sowie „Perspektivwechsel“. Dabei kommen Schüler in die Erstaufnahme und erleben diese aus dem Blickwinkel der Flüchtlinge. Die Reaktionen seien durchweg positiv.

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