Schöffenwahl Neumünster : Pädagogin mit Hang zu Paragrafen

Yvonne Schillmann ist Jugendschöffin am Amtsgericht Neumünster.
Yvonne Schillmann ist Jugendschöffin am Amtsgericht Neumünster.

Yvonne Schillmann ist Jugendschöffin am Amtsgericht . Die Stadt sucht ab sofort neue Laienrichter.

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26. Februar 2018, 10:00 Uhr

Neumünster | Wenn sich junge Menschen wegen Raubes, Einbruchs oder Drogenmissbrauchs vorm Amtsgericht verantworten müssen, ist Yvonne Schillmann als „Stimme des Volkes“ beim Urteil dabei. Seit 2014 ist die 37-Jährige Jugendschöffin. Ende des Jahres läuft ihr Ehrenamt auf Zeit aus. Neue Jugend- und Hauptschöffen werden gesucht. „Ich kann es jedem nur empfehlen“, sagt die Neumünsteranerin.

Zu ihrem Ehrenamt ist sie über ihren damaligen Arbeitgeber gekommen. „Ich habe in einer Förderschule gearbeitet und mein Chef hat uns vorgeschlagen, sich zu bewerben.“ Eine Affinität zu Paragrafen und Gesetzen hatte sie schon immer. „Ich finde es spannend und habe damals sogar kurz überlegt, Jura zu studieren“, sagt die Sozialpädagogin.

Ihr pädagogischer Beruf hilft ihr nun aber beim Jugendschöffenamt. Denn wenn man speziell im Bereich des Jugendstrafrechts als Schöffe wirken möchte, muss man angeben, welche Erfahrungen man im Bereich Jugenderziehung mitbringt. „Ich konnte schon manchmal helfen und aufzeigen, welche Maßnahmen es gibt“, sagt Schillmann.

An einen ihrer ersten Fälle erinnert sich die Pädagogin noch ganz genau: „Eine junge Frau, die an einer Form des Münchhausen-Syndroms leidet, hat mehrfach versucht, ihren Säugling zu ersticken und in der letzten Sekunde dann von ihrem Kind abgelassen. Das war schon heftig.“ Auf solche Fälle werde man von der Jugendrichterin aber vorbereitet und diese blieben die Ausnahme. Meist gehe es um die klassischen Jugend-Delikte.

„Juristische Vorerfahrungen braucht man nicht, nach den Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidigung ziehen sich mein Schöffen-Kollege und ich mit der Richterin zurück, schildern ihr unseren Eindruck und dann besprechen wir die verschiedenen Rechtsgrundlagen.“

Berufsgruppen wie Anwälte, Notare oder Polizeibeamten dürfen keine Schöffen werden, da sie bereits beruflich mit der Thematik zu tun haben.

So arbeitsaufwendig, wie viele Menschen annehmen, sei das Schöffenamt nicht: „Ich bekomme etwa acht Termine im Jahr, von denen drei bis vier dann auch tatsächlich stattfinden“, erzählt Schillmann. An den Tagen wird sie von ihrem Arbeitgeber für das Ehrenamt freigestellt. „Eine Verhandlung kann zwischen 20 Minuten und vier Stunden dauern“, schätzt sie ihren Arbeitsaufwand ein.

Ob sie sich um eine weitere Amtszeit als Laienrichterin bewerben wird? „Auf jeden Fall!“

Zu entscheiden hat das letztlich im Herbst ein Wahlausschuss. „Insgesamt suchen wir 124 Jugendschöffen für den Amtsgerichtsbezirk, 78 davon aus Neumünster“, sagt Gudrun Folchert von der Dezentralen Steuerungsunterstützung der Stadt, die Ansprechpartnerin für die Jugendschöffen ist. Ihre Kollegin Petra Hanfler nimmt die Bewerbungen für die Hauptschöffen entgegen. Dort sind 140 Ehrenämter zu vergeben. Berufen werden diese für fünf Jahre ab dem 1. Januar 2019.

Wer sich für ein Schöffenamt interessiert, muss die deutsche Staatsangehörigkeit haben, darf nicht vorbestraft sein, muss mindestens 25 Jahre und maximal 70 Jahre alt sein und seit mindestens einem Jahr in Neumünster wohnen. Wer sich bewerben möchte, kann sich unter www.schoeffenwahl.de informieren. Auf der Homapage der Stadt werden die Informationen am Montag eingestellt. Ansprechpartnerinnen sind Gudrun Folchert (Tel. 9422556) und Petra Hanfler (Tel. 9422440).

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