Flüchtlingshilfe : Padenstedter kochen für Flüchtlinge

Die Küchencrew (von links) Dieter Trumm (66), Jessica Ohm (26), Dirk Riemer (42) und Percy Palomino Sanchez (43) kocht in Padenstedt mit Herz und Können für die Bewohner der Flüchtlingserstaufnahmestelle in Boostedt.
Die Küchencrew (von links) Dieter Trumm (66), Jessica Ohm (26), Dirk Riemer (42) und Percy Palomino Sanchez (43) kocht in Padenstedt mit Herz und Können für die Bewohner der Flüchtlingserstaufnahmestelle in Boostedt.

In den Bürgerstuben geht die Arbeit früh los, damit der Caterer das Essen rechtzeitig in die Erstaufnahmestelle nach Boostedt liefern kann.

shz.de von
07. Juli 2015, 06:00 Uhr

Padenstedt | Bereits um zwei Uhr morgens geht in der Küche hinter dem Gasthaus Padenstedter Bürgerstuben das Licht an. Denn hier wird von den Mitarbeitern des beauftragten Essenslieferanten für die Bewohner der Erstaufnahmestelle in Boostedt gekocht. Und schon um 10 Uhr müssen zurzeit knapp 400 Portionen fertig sein.

Nach einer kurzen Vorbesprechung geht es deshalb für das fünfköpfige Team der Köche auch gleich zur Sache. Denn schließlich wird hier pro Tag rund 90 Kilogramm Frischfleisch verarbeitet. Pro Woche kommen dann noch einmal 150 Kilogramm Reis, 50 Kilogramm Spätzle, 120 Kilogramm Kartoffeln und 50 Kilogramm Couscous sowie etliche Kilo Gemüse dazu. Die Anlieferung dieser enormen Mengen erfolgt täglich. Das Fleisch sowie auch die Kartoffeln kommen dabei sozusagen aus der Nachbarschaft. Das Gemüse hingegen wird auf dem Großmarkt im Hamburg eingekauft. „Doch das ist alles nur eine Frage der Organisation“, erklärt der Koch Dirk Riemer (42) gelassen.

Dies gilt auch für den Speiseplan, der wöchentlich vorgeplant wird. Komplett verzichtet wird dabei auf Schweinefleisch. Doch aus Rindfleisch, Pute, Hühnchen und Fisch entstehen zum Beispiel Rinderbrust mit Meerrettichsoße, Bohnen und Kartoffeln, Nudeln mit Tomatensoße oder Putenhackbraten mit Gemüse und Käse. „Ganz wichtig dabei sind die Gewürze. Denn Rosmarin, Koriander, Minze oder auch Curry und Paprika geben hier den typischen Geschmack, den die arabische Küche ausmacht“, erläutert Riemer.

Aber auch Schonkost und spezielle Speisen zum Beispiel für Schwangere oder Diabetiker werden zubereitet. Über diese speziellen Anforderungen wird die Küche dabei täglich vom DRK-Betreuungsverein informiert.

„Essen hält Leib und Seele zusammen und das ist in Anbetracht der Situation der Menschen schon mal gut. Außerdem ist das Essen für die Flüchtlinge der Höhepunkt des Tages. Deshalb geben wir jeden Tag unser Bestes“, erzählt Dirk Riemer. Bestätigt wird dies auch von den Köchen Jessica Ohm (26) und Percy Palomino Sanchez (43), die hier ebenfalls fleißig in den riesigen Töpfen rühren.

Abgefüllt in große Schüsseln, die dann in elektronisch temperierten Wärmeboxen ihren Platz finden, werden die Speisen schließlich nach Boostedt gebracht. Das Frühstück und das Abendessen werden dort vor Ort zubereitet. Jetzt, während des muslimischen Fastenmonats Ramadan, wurden hier die Ausgabezeiten erweitert, sodass die Gläubigen auch nach 22 Uhr noch ein warmes Essen einnehmen können.

„Man muss die Leute auffangen und sie respektieren. Deshalb sind solche Rücksichtnahmen für uns selbstverständlich“, sagt dazu Hans Jürgen Preisler, der als Speisenlieferant seit 20 Jahren in der Versorgung von Asylbewerbern tätig ist.
Von den Bewohnern der Einrichtung wird die „Padenstedter Küche“ auf jeden Fall geschätzt. Das bestätigt auch Marie von Glischinski, die die Leitung des DRK-Betreuungsvereins in Boostedt innehat. „Die Köche machen das toll. Die Bewohner sind mit dem Essen sehr zufrieden. Es trägt maßgeblich zur guten Stimmung in der Einrichtung bei. Es ist außerdem immer wieder schön zu sehen, wie sich die erschöpften Neuankömmlinge entspannen, wenn sie merken, dass hier keiner Angst haben muss, zu kurz zu kommen“, erzählt sie.

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