Gross Kummerfeld : Paar tarnte den Hanf-Anbau: Nachbarn sind schockiert

In diesem Einfamilienhaus am Husberger Weg in Groß Kummerfeld wurde der professionelle Marihuana-Anbau betrieben.
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In diesem Einfamilienhaus am Husberger Weg in Groß Kummerfeld wurde der professionelle Marihuana-Anbau betrieben.

350 Hanf-Pflanzen wurden in Groß Kummerfeld beschlagnahmt. Zwei Neumünsteraner wurden festgenommen.

shz.de von
16. Januar 2015, 05:00 Uhr

Gross Kummerfeld | Die Nachbarn hatten keine Ahnung: In einem Einfamilienhaus am Husberger Weg in Groß Kummerfeld wurde im großen Stil Marihuana angebaut. Am Dienstag konnte die Polizei die professionelle Indoor-Plantage mit 350 erntereife Marihuana-Pflanzen sowie hochwertigem technischen Equipment im Gesamtwert von mehreren 10.000 Euro beschlagnahmen.

Ein Bürger hatte den Hinweis gegeben, und die Polizei in Rickling war daraufhin aktiv geworden, hatte Erkundigungen eingezogen und Leute befragt. Es erhärtete sich der Verdacht, dass in dem Haus niemand wohnt, sondern dort Cannabispflanzen angebaut werden. Die Ricklinger Polizei schaltete die Rauschgiftfahndung der Kriminalpolizeiinspektion in Segeberg ein, die noch am Dienstagabend am Einsatzort eintraf. Kurz darauf fuhren dann auch die ins Visier der Beamten gerückten Mieter des Hauses mit ihrem Auto auf das Grundstück. Sie versuchten, sofort die Flucht zu ergreifen. Doch nach einer kurzen Verfolgungsfahrt stoppten die Polizei die Flüchtigen. Der 24-jährige Mann und eine gleichaltrige Frau, beide aus Neumünster, wurden vorläufig festgenommen. Vorgestern wurde die beschlagnahmte Aufzuchtanlage abgebaut. Die dringend Tatverdächtigen müssen nun mit einem Prozess und einer Haftstrafe rechnen.

Schockiert und überrascht über die kriminellen Vorgänge in ihrer direkten Nachbarschaft reagierten gestern Hannelore B. und Birte L. Sie berichteten, dass die Frau und der Mann im Februar vergangenen Jahres eingezogen waren. Im Mai sind dann die Fenster mit Fliegengitter dichtgemacht worden. „Sicher haben wir uns gewundert, dass dort nie die Jalousien hochgehen. Aber direkt aufgefallen ist mir nie was“, erzählte Hannelore B., die mit der Eigentümerin des Hauses zwar verwandt ist, diese aber bis gestern Nachmittag nicht gesprochen hatte. „Wer weiß, wie es jetzt drinnen aussieht“, äußerte sie sich sichtlich besorgt. Direkten Kontakt zu den Mietern habe sie nicht gehabt.

Dies gilt auch für Birte L. „Mit der Frau habe ich mich einmal kurz unterhalten. Sie hat mir dabei in akzentfreiem Deutsch erzählt, dass sie Gartenarbeit liebt und Katzen hat“, berichtete sie. Deshalb habe die Nachbarin sich auch nicht gewundert, dass tagsüber ab und an ein Mann aufgetaucht sei, der das Haus jedoch immer nach kurzer Zeit wieder verlassen habe. „Ich dachte, der füttert die Tiere“, so die Annahme der Nachbarin. Ansonsten seien die beiden wie ganz normale Schichtarbeiter abends gekommen und in der Frühe oder mittags gegangen. Auch die wechselnden Autos sowie die fehlenden Besucher hätten die Nachbarschaft nicht auf die Vermutung kommen lassen, dass dort etwas Unrechtes geschehe. „Ja, wir fanden sie seltsam, aber das will ja nichts heißen“, meinte sie.

Nach dem Polizeieinsatz habe sie insbesondere die ausgeklügelte Tarnung der mutmaßlichen Täter überrascht. „Die haben Holzplatten von innen vor die Fenster angenagelt und dann zwischen der Scheibe und der Wand Lampen installiert, sodass man abends annehmen musste, sie seien zu Hause“, erklärte Birte L. immer noch schockiert.

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