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Holsteinischer Courier

19. September 2017 | 15:47 Uhr

Gerichtsbericht : Ortstermin an der Wohnungstür

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Gericht sah sich den Tatort am zweiten Verhandlungstag genau an. Später wurde der Angeklagter zu einer Geldstrafe von 600 Euro verurteilt.

von
erstellt am 08.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Neumünster | Das Amtsgericht hatte keine Mühen gescheut, um die Sache aufzuklären. Gestern Morgen trafen sich Richterin, Staatsanwältin, Protokollführerin und der Angeklagte sowie ein Zeuge zu Beginn des zweiten Verhandlungstages am einstigen Tatort an der Altonaer Straße und nahmen eine Haustür aus Plastik in Augenschein. Sogar Selbstversuche wurden gemacht. Denn als Frage stand im Raum: Kann man sich an diesem Türpfosten die Haut abschürfen? So soll es nämlich laut Anklage einem Polizisten am 29. August vergangenen Jahres ergangen sein, als er nachts gegen 23 Uhr während eines Einsatzes mit dem Angeklagten rangelte (der Courier berichtete).

Vorausgegangen war an dem Abend ein ganz anderer Einsatz auf dem Innenhof des Komplexes. Damals waren mehrere Streifenwagen mit einem Polizeihund vorgefahren, um nach einem Einbruch einen Verdächtigen festzunehmen. Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte (59) die Arbeit der Einsatzkräfte neben seiner Wohnung gestört haben. So soll er die Hundeführerin, deren Tier durch einen ausgebüxten Hund angegriffen wurde, übel beleidigt haben. Später soll er sich widersetzt haben, als ein Beamter seine Personalien feststellen wollte. Ein Polizist wurde laut Anklage am Arm verletzt, als er mit einem Kollegen den Mann durch die besagte Tür aus der Wohnung ziehen wollte.

Sowohl der Angeklagte als auch sein Rechtsbeistand hatten am ersten Verhandlungstag Ende März eine Verletzungsmöglichkeit an der glatten Tür bezweifelt. Gestern gab es bei freiwilligen Demonstrationen durch den Angeklagten keine Schäden am Arm. Eine Tatsache, die letztendlich aber keine Rolle mehr spielte. Denn die Körperverletzung wurde eingestellt, weil sie neben der angeklagten Beleidigung und dem Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte kaum ins Gewicht gefallen wäre.

Die anderen beiden Vorwürfe blieben jedoch bestehen. Da halfen dem Mann auch wiederholte Diskussionen wenig. „Wenn Polizeibeamte die Personalien verlangen, ist der Bürger verpflichtet, sie zu nennen“, betonte die Richterin. Der Mann ließ sich jedoch nicht überzeugen. Stattdessen beharrte er darauf, dass er in seiner Wohnung dazu „nicht verpflichtet gewesen“ sei. Auch von einer Beleidigung wollte der Hartz-IV-Empfänger, der sich zurzeit eine Existenz als selbstständiger Kaufmann aufbaut, nichts wissen.

Sowohl die Staatsanwältin als auch die Richterin sahen die Version des Neumünsteraners aber durch Zeugen widerlegt. Deshalb muss der Mann jetzt eine Geldstrafe von 600 Euro zahlen. Mit dem Urteil konnte der Angeklagte gestern seinen Frieden noch nicht machen. Er behielt sich rechtliche Schritte vor.

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