zur Navigation springen
Holsteinischer Courier

21. August 2017 | 04:58 Uhr

Ehrung : Orgelspiel als Dienst am Nächsten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Meinolf Hanewinkel (83) spielt seit über 50 Jahren Orgel in der St. Maria-St. Vicelin-Kirche / Auszeichnung mit Ehrennadel des Landes

Neumünster | Dienstags, freitags und sonnabends morgens um 9 Uhr erklimmt Meinolf Hanewinkel die steile Treppe in der katholischen St. Maria-St. Vicelin-Kirche hoch zur Empore, setzt sich an die Orgel und spielt das „Halleluja“, das „Sanctus“ oder das „Angus Dei“. Und das tut der heute 83-Jährige seit über 50 Jahren – unermüdlich, bescheiden – und ehrenamtlich. Für diese Verdienste wurde der Organist am Montagabend mit der Ehrennadel des Landes ausgezeichnet. Mit dabei waren seine Tochter Bettina (50), Sohn Reiner (53) und die Enkel Ferdinand (23) und Paul (20), als Kulturministerin Anke Spoorendonk ihn ehrte.

„Ich habe mir das Orgelspielen selbst beigebracht, wir hatten zu Hause einen Flügel, und wie das in einem kleinen Ort ist, konnte nur der Lehrer Orgel spielen. Als der krank wurde, bin ich eingesprungen“, erinnert sich Hanewinkel. Da war er acht Jahre alt, und er war eines von zehn Geschwistern, die in dem 1000-Seelen-Ort Hartbrück in Nordrhein-Westfalen auf einem Bauernhof aufwuchsen. „Meine ersten Stücke waren ‚Großer Gott, wir loben Dich‘ und ‚Lobe den Herrn‘“, erinnert er sich.

45 Jahre arbeitete er bei Karstadt, zuletzt als Abteilungsleiter Möbel und in der Organisation. 1966 verschlug es ihn, seine Frau Magdalene und die Kinder nach Neumünster. Monsignore Wilhelm Tebbel, der damalige Pfarrer, hieß ihn willkommen, mit der Organistin Anni Harschen wechselte er sich ab, nahm ihr die Orgelspiele in der Justizvollzugsanstalt (JVA) ab: „Sie war froh zu hören, dass ich ein bisschen klimpern konnte.“ Es gab je zwei Gottesdienste in der JVA – für Inhaftierte und U-Häftlinge: „Ich bin mit allen immer gut klargekommen, es gab vor allem Gespräche über das Orgelspielen.“ Wenn er zur Messe spielte, damals auch abends, kamen seine Frau und seine Kinder mit – sie waren später auch Messdiener, sagt er und erzählt augenzwinkernd die Anekdote, wie sein Sohn aus einem Missgeschick heraus den Adventskranz in der Kirche in Brand steckte.

Heute ist Hanewinkel Opa von fünf Enkeln, die in Kiel und in Berlin leben. Orgelspielen ist für ihn ein Dienst am Nächsten: „Es bringt anderen Menschen und mir Freude. In der Kirche kommen die Menschen und auch ich zur Ruhe, finden Zufriedenheit, und Gott ist man zu Dank verpflichtet“, sagt Hanewinkel. 2016 ereilte ihn ein Schicksalsschlag: Seine Frau starb nach 55 Jahren Ehe. Und so sagte seine Tochter zur Ehrung ihres Vaters: „Wenn das unsere Mutter noch hätte erleben können, wäre sie sehr stolz auf ihn gewesen.“ Auch Pfarrer Peter Wohs lobt ihn: „Ein lieber Mensch, ein Schatz, ein Gottesgeschenk. Wir freuen uns alle sehr, dass er jetzt auch außerhalb der Kirche geehrt wurde.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 14.Dez.2016 | 09:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen