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Gerichtsbericht : Opfer sprang in Panik aus dem zweiten Stock

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Vor dem Landgericht ging der Messerstecher-Prozess weiter.

Neumünster | „Wenn ich nicht aus dem Fenster gesprungen wäre, hätte er zugestochen.“ Da war sich der junge Mann vor dem Landgericht in Kiel ganz sicher. Der 24-Jährige, der einst der beste Freund des Angeklagten war, sagte gestern als einer von zwei Zeugen aus. Zurzeit muss sich dort der Neumünsteraner Mike B. (29) wegen mehrerer Taten verantworten. Neben Diebstählen werden ihm zwei Messerangriffe vorgeworfen. So soll er im vergangenen Sommer innerhalb von zwei Tagen zuerst seinen besten Kumpel mit dem Messer derart bedroht haben, dass der in Panik im zweiten Stock aus dem Fenster sprang. Zwei Tage später stach er laut Anklage einen Bekannten (ebenfalls 24) nach einem Streit um den Verkauf gemeinsam gestohlener Parfümflaschen nieder (der Courier berichtete).

Es war offenbar reichlich Eifersucht im Spiel, als Mike B. am 10. Juni dieses Jahres vormittags zum Haus seines Freundes an der Wasbeker Straße ging. Das erzählte der Angeklagte dem Gericht gestern freimütig selbst. Demnach vermutete er seine damalige Freundin dort in den Armen seines bestens Freundes. Als er vor dem Haus dann auch noch den Kinderwagen sah, in dem seine Freundin immer ihre kleine Tochter schob, und ihm niemand öffnete, wollte er nach eigenem Bekunden nur noch in die Wohnung. Ein nichts ahnender Nachbar ließ ihn ins Haus. Dann schlug Mike B. die Wohnungstür ein. „Da saß er mit meiner Freundin auf dem Bett. Ich habe das Messer gezogen, wollte ihm Angst machen. Da ist er aus dem Fenster geklettert. Er hängte sich da noch dran. Da habe ich einen Schreck gekriegt, hab das Messer weggesteckt und wollte ihn noch halten. Aber da hat er losgelassen“, so der Angeklagte. Danach habe er seiner Freundin auf den Kopf geschlagen, sich deren Handtasche geschnappt und sei damit durch den Hinterhof geflohen.

Das Opfer schilderte die Situation etwas anders und beschrieb dem Gericht seine Panik: „Er hatte das Messer in der Hand und rief: ‚Ich bring’ dich jetzt um!‘ Da sprang ich aus dem Fenster.“ Nur durch viel Glück verletzte sich der junge Mann nur leicht an Beinen und Armen. Er konnte sogar noch in ein benachbartes Solarium laufen und Hilfe holen. Verwunden hat der Zeuge die Sache jedoch noch nicht. „Er war mal mein bester Freund. Wir haben zusammen viel Mist gebaut. Ich habe ihn sogar monatelang bei mir wohnen lassen. Ich kann verstehen, dass er eifersüchtig war. Aber das ist doch kein Grund, ein Messer zu ziehen“, sagte er. Die Entschuldigung des Angeklagten mochte er deshalb auch nicht annehmen. „Nein, das war zu viel für mich. Ich will mit Dir nichts mehr zu tun haben“, sagte er, bevor er den Saal verließ.

Zuvor hatte der Inhaber des An- und Verkaufsladens an der Ecke Wasbeker Straße, Fabrikstraße der Kammer geschildert, wie er zwei Tage später den nächsten Messerangriff des Mannes erlebte. Das Opfer war damals blutend in sein Geschäft gekommen. Als der Zeuge Erste Hilfe leisten wollte, war der junge Mann wenig später trotz der Verletzungen wieder hinausgerannt. Der Prozess wird fortgesetzt.

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erstellt am 23.Nov.2015 | 17:02 Uhr

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