Brand an der Bismarckstraße : Opfer schwebt noch in Lebensgefahr

„Ich habe spontan gehandelt“: Günther Rowedder (33), hier mit dem verbrannten Rollator des Nachbarn, brach die Tür auf und rettete das Opfer.
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„Ich habe spontan gehandelt“: Günther Rowedder (33), hier mit dem verbrannten Rollator des Nachbarn, brach die Tür auf und rettete das Opfer.

Retter Günther Rowedder (33) ist wieder zu Hause. Feuerwehr warnt vor zu leichtsinnigen Taten: „Das hätte auch anders ausgehen können“

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22. Juli 2014, 05:00 Uhr

Neumünster | Nach der dramatischen Rettung seines gehbehinderten Nachbarn steckt Günther Rowedder die Situation noch in den Knochen. Als kurz nach 18 Uhr am Sonnabend im Mehrfamilienhaus Bismarckstraße 7 ein Feuer ausbrach, fackelte der 33-Jährige aus dem Nebenhaus nicht lange. Er brach die Haustür auf, schleppte den Mieter (52) nach draußen. Laut Polizei schwebt der Mann mit schweren Brandverletzungen noch in Lebensgefahr.

Günther Rowedder wurde mit einer Rauchvergiftung ins FEK eingeliefert, konnte aber bereits am Sonnabend entlassen werden. Er erinnert sich an die bangen Momente: „Das war nicht überlegt, ich habe spontan gehandelt. Ich habe den Qualm gesehen, habe bei allen Sturm geklingelt. Dann war Jens da und hat mir einen Kuhfuß gegeben“, sagt Rowedder. Jens List (49) arbeitet in der Verwaltung bei der Lufthansa, ist ausgebildeter Ersthelfer, Hauswart und kennt das Opfer seit 19 Jahren.

Rowedder hebelte die Haustür auf, trat dann die Küchentür auf. Jens List war hinter ihm, passte auf, falls ihm was passiert. „Wir hörten ein Stöhnen“, erinnerten sie sich. Trotz starken Qualms fanden sie ihren Nachbarn am Küchentisch sitzend, am Herd brannte es. Rowedder schleppte ihn nach draußen. Das Ganze dauerte nur wenige Minuten.

Währenddessen saß Gisela Daberkow, die Lebensgefährtin von List, oben in ihrer Wohnung im zweiten Stock, telefonierte mit der Feuerwehr. Sie wurde über eine Drehleiter gerettet: „Das Treppenhaus war so verqualmt, da konnte ich nicht mehr hinunter.“

Mehr als 30 Rettungskräfte der Berufsfeuerwehr, der Freiwilligen Feuerwehr Stadtmitte und Brachenfeld waren im Einsatz. Der Einsatzleiter der Berufsfeuerwehr, Jan Steinert fand Günther Rowedder, der dem Verletzten den Kopf hielt, vor der Tür: „Wir trugen ihn ein Stück zur Straße aus dem Gefahrenbereich hinaus.“ Die Aktion Rowedders, der nur mit einer leichten Hose und freiem Oberkörper in das brennende Haus lief, ist für den 36-jährigen Brandinspektor zunächst schon ein „heldenhaftes Verhalten. Hut ab, dass er ihn da rausgeholt hat.“

Andererseits habe sich der Retter auch auf dünnes Eis begeben. „Wir Feuerwehrleute sind darin ausgebildet zu wissen, was es bedeutet, wenn der Rauch pulsiert, weiß oder schwarz ist und wie wir uns dann verhalten sollen. Die Eigengefährdung abzuschätzen, ist für einen nicht Ausgebildeten nicht so einfach“, sagte Steinert. Mit Adrenalin im Blut blende ein Ungeschulter eher die Gefahren aus. Steinert: „Das ist nochmal gutgegangen, das hätte auch anders ausgehen können. Wir würden in so ein Feuer nur mit Atemschutz hineingehen.“ Die Feuerwehr empfiehlt, über den Notruf 112 zu alarmieren, Hilfe zu holen, alle Anwohner zu informieren und die Fenster zu schließen.

Das tat Rowedders Freundin Daniela Bornemann (24), die auf dem Hinterhof saß: „Ich sah eine Riesenrauchwolke, als ich ums Haus ging. Ich brachte meine Kinder ins Haus, schloss die Fenster und rief die Feuerwehr an.“

Die Kripo ermittelte bis gestern vor Ort. Der Brandherd soll in der Küche gewesen sein, Näheres ist aber nicht bekannt. Der Sachschaden liegt laut Kripo bei rund 100 000 Euro, sagte Polizeisprecher Sönke Hinrichs. Die Wohnungen wurden gestern freigegeben. Die Ermittlungen der Kripo dauern noch an.

Den Nachbarn sitzt der Schreck noch im Nacken. „Wir haben Gasheizungen. Das Haus hätte auch in die Luft fliegen können“, sagen sie und wünschen dem Brandopfer von Herzen gute Besserung.

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