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Festival : Open-Air an der Lok auch für Rollis

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im Juli soll es eine Neuauflage des Musik-Festivals „Skufe“ geben / Veranstalter wollen für weitgehende Barrierefreiheit sorgen

Neumünster | Gute Nachricht für alle Fans hörenswerter Live-Musik: Das Kulturfestival „Skufe“, das im vergangenen Sommer rund 700 junge Besucher aus dem ganzen Norden auf das Lokschuppen-Gelände an der Brückenstraße lockte, geht in die zweite Runde. Am Wochenende 8. bis 10. Juli sollen auf vier Bühnen wiederum zahlreiche Bands mit Rock, Beat, Reggae oder Elektro-Sounds verwöhnen.

Das komplette Programm steht noch nicht fest, unter anderem hat sich aber bereits Dr. Motte – der Erfinder der Berliner Love-Parade – für die Party angesagt. Er will vor dem Lokschuppen mit den Fans seinen 56. Geburtstag feiern.

Erstmals soll es auf dem Festival-Gelände ein Zirkuszelt geben, in dem es bei Kleinkunst, Tanz und Varieté etwas ruhiger als auf dem Gelände drumherum zugehen soll. „Wir denken sogar darüber nach, einen Strick-Workshop für Entspannungsbedürftige anzubieten“, kündigt Mitorganisator Nico Andresen an.

Dessen Hauptaugenmerk gilt in diesem Jahr aber einer ganz anderen Zielgruppe. Kurz vor dem Start des „Sterntaucher-Kulturfestivals“ (kurz Skufe) im vergangenen August hatte Andresen eine Facebook-Anfrage von Lars Wienroth vom Padenstedter Verein „Wheelfire“ erhalten: Ob das Festival auch rollstuhlfest sei, wollte der Verein wissen, der sich zur Aufgabe gemacht hat, mit Kultur jeglicher Art Brücken zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen zu bauen. Damals mochte Andresen das nicht klar zusagen, „aber es hat uns zum Nachdenken gebracht“, sagt der Festival-Manager. Der Kieler Veranstalter lud die Rollstuhlfahrer kurzerhand zum Ortstermin ein, um zu besprechen, wie das Festivalgelände behindertengerecht aufzumöbeln ist.

In Juli sollen jetzt mobile Plattenwege, Rampen und Holzbrücken Besuchern im Rollstuhl mehr Bewegungsfreiheit auf dem Festivalgelände bieten. Vor den Bühnen wollen die Veranstalter Extra-Plätze für Rollstuhlfahrer reservieren: „Warum sollen die eigentlich immer nur am Rand stehen?“, hat Andresen dazugelernt. Und auch ein Teil der Dixie-Klos wird in diesem Jahr als extragroße Behinderten-Variante geordert, verspricht der Festival-Macher. „Idealerweise haben wir bis zum Start des Festivals auch die neuen Sanitäranlagen endlich eingebaut“, ergänzt Gregor Stenzel vom Verein Kulturlokschuppen, der das Areal an der Brückenstraße bereitstellt. Die beiden WCs sollen mit 1,60 Meter mal 3 Meter Größe auch Rolli-Fahrern hinreichend Bewegungsfreiheit bieten. Um die Zusatzkosten für den behindertengerechten Aufbau zu decken, hofft Festivalmacher Nico Andresen jetzt auch auf Zuschüsse durch Sponsoren. Auch die Aktion Mensch hat er angeschrieben.

Die Aktivisten von „Wheelfire“ lobten jetzt ausdrücklich die Bemühungen um Rockfans mit Handicaps: Trotz aller öffentlichen Diskussionen über den Abbau von Barrieren stießen Behinderte bei Kulturveranstaltungen aller Art immer auf zahlreiche Stolperschwellen. Vorbildlich sei der Zugang für Behinderte in Neumünster, etwa im Caspar-von-Saldern-Haus oder auch im Theater in Stadthalle, geregelt, lobt Arne Wienroth, der wie sein Bruder Lars seit seiner Kindheit im Rollstuhl sitzt. Kino sei dagegen für Rollstuhlfahrer in Neumünster kein Vergnügen. Im Cineplex würden Rollis einfach vor die erste Reihe postiert: „Da hast du nach einer Viertelstunde einen steifen Nacken!“, klagt Wienroth.


> Mehr Infos zum Festival gibt’s unter www.skufe.com.

 

STANDPUNKT

Barrrierefreiheit  auf dem Lokschuppen-Gelände? Wer die  Örtlichkeiten an der Brückenstraße kennt, weiß, dass das  eine echte Herausforderung  ist und aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht für jeden Quadratmeter gelingt. Dass  sich die Veranstalter dennoch  bemühen,  auch Festivalbesuchern mit Handicaps eben so weit es irgend möglich ist, entgegen zu kommen, ist lobenswert – weil eben  noch lange nicht in jedem Falle selbstverständlich. Nicht ohne Grund machen sich  die Rolli fahrenden  Aktivisten von „Wheelfire“ vor Festivals oder anderen Kulturveranstaltungen erst einmal schlau, ob sie wirklich willkommen sind  – oder sich die Veranstalter  wieder mal windelweich herausreden.    Ja, Barrierefreiheit kostet,  aber wenn die Gleichberechtigung von Behinderten und nicht Behinderten irgendwann mal Realität werden soll,  sind die Kosten gerechtfertigt. Vielleicht erkennt man das irgendwann auch im Kino.

 

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erstellt am 19.Feb.2016 | 08:00 Uhr

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