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Wittorf : „Onkel“ am Bushalt versetzte Eltern in Unruhe

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Missverständliche Erzählung eines Schuljungen löste Suche nach vermeintlichem Mitschnacker aus

von
erstellt am 22.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Offenbar ein grobes Missverständnis zwischen einem sechsjährigen Jungen und seinen Eltern hat Wittorfer Grundschuleltern vorübergehend in Angst und Schrecken versetzt. Auslöser war dabei ein angeblicher „Mitschnacker“, der im Umfeld der Schule sein Unwesen treiben sollte. Wie sich dann herausstellte, war es zum Glück nur ein Phantom.

Der Junge hatte seinen Eltern zu Hause von einem Vorfall an der Bushaltestelle vor der Schule erzählt. Danach hatte dort ein Mann „in einem schwarzen VW“ ihn und einen Klassenkameraden aus dem Wagen heraus eingeladen, sie nach Hause zu fahren. Einer der Jungen war an das Autofenster getreten und hatte mit dem Mann im Wagen verhandelt. Die beiden Jungen lehnten dann aber das Angebot ab; sie wollten lieber mit dem Bus fahren.

Der Vorfall ereignete sich am Dienstag vor einer Woche. Die Eltern vermuteten den Versuch eines Fremden, die Jungen ins Auto zu locken. Sie informierten die Schulleitung. Rektor Helmut Simon zögerte nicht lange, schaltete die Polizei ein und schrieb einen Warnbrief an die Eltern, in dem er vor dem Unbekannten warnte und sie zu erhöhter Aufmerksamkeit aufrief. Die Eltern sollten den Vorfall mit ihrem Kind besprechen und das Verhalten in solchen Situationen durchgehen, empfahl der Pädagoge in dem Brief. Auch in den Klassen wurde der Vorfall besprochen. Die Lehrer ermahnten die Schüler, Fremden nicht voreilig zu vertrauen.

Erst beim erneuten Nachhaken – zwei Tage nach dem Vorfall – klärte sich das Missverständnis auf: Kein Fremder, sondern ein (echter) Onkel eines der Jungen hatte die Jungen zufällig an der Haltestelle erkannt und gestoppt, um sie mitzunehmen. Der Vorfall entpuppte sich als harmlos. Rektor Helmut Simon wandte sich postwendend erneut an die Eltern und gab Entwarnung.

 

COURIER-KOMMENTAR:

 

Kindesmissbrauch ist ein Verbrechen. Und nicht nur der Staat ist aufgerufen, alles zu tun, um das Zerbrechen kleiner Kinderseelen oder Schlimmeres zu verhindern. Die bittere, aber inzwischen anerkannte Tatsache, dass sich die meisten Missbrauchsfälle innerhalb der Familie abspielen, sollte uns nicht davon abhalten, genau hinzuschauen, wenn Fremde sich unseren Kindern nähern. Das hat nichts mit Panikmache, aber viel mit Verantwortung zu tun. In Wittorf gab es einen Grund, um genauer hinzuschauen. Es gab einen Anlass für die Eltern, die Schule zu informieren. Es gab einen Anlass für den Schulleiter, die Polizei einzuschalten und die Eltern zu informieren; unaufgeregt, aber unmissverständlich. Und es gab einen Anlass, mit den Kindern in den Klassen den Ernstfall zu besprechen. Auch wenn sich viele Eltern durch diese Vorsorge zwei Tage lang unnötig Sorgen gemacht haben mögen: In Wittorf wurde alles richtig gemacht. Lieber einmal zu viel gewarnt, als einmal zu wenig. Bravo.

 

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