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Besucherrekord : Oldtimer-Fan-Herzen schlugen höher

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

14 300 Interessierte bestaunten am Wochenende in den Holstenhallen alte Fahrzeuge und Motorräder

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2017 | 09:00 Uhr

Neumünster | Mit einem Besucherrekord ist gestern die fünfte Auflage der Klassiker-Tage Schleswig-Holstein in den Holstenhallen zuende gegangen. 14  300 Interessierte schauten sich am Wochenende die vielen Old- und Youngtimer an. Neben Vorkriegsfahrzeugen (Fahrzeuge mit den Baujahren 1905 bis 1945) standen erstmals auch Motorräder auf der Messe im Fokus.

Darüber freute sich Walter Moik vom Motorsportclub (MSC) Neumünster, der die Motorradausstellung betreute. „Motorräder werden bei solchen Veranstaltungen leider oft vernachlässigt“, sagte er und war begeistert, gleich 75 Maschinen zeigen zu können. Darunter viele restaurierte Raritäten, die in chronologischer Reihenfolge ausgestellt wurden. Das älteste und zugleich teuerste Stück, das am Wochenende gezeigt wurde, war ein Wanderer Fahrrad von 1911 mit Vier-Takt V-2-Zylinder-Motor mit 3 PS. Zwei Jahre habe der aus Kaltenkirchen stammende Besitzer das Fahrzeug repariert. „Es hat heute einen Wert von etwa 100 000 Euro“, erzählte Walter Moik. Die Akquise, um alte Motorräder für die Ausstellung auf der Messe zu finden, sei nicht leicht gewesen. „Nur wenige wollten ihre Motorräder ausstellen. Wir haben dann Unterstützung vom Verein für Veteranenfahrzeuge aus Kaltenkirchen bekommen, der seine sehr guten Kontakte spielen ließ“, verriet Moik. Unter den ausgestellten Motorrädern zeigte Bruno Thiesies aus Bad Bramstedt seine Moto-Guzzi BT Quattro Cilindri. Ein Unikat, denn die Maschine hat der 76-Jährige selbst gebaut. „In vier Jahren habe ich etwa 2000 Arbeitsstunden investiert“, erzählte er. Verbaut hat er unter anderem einen 1,2 Liter Vier-Zylinder-Motor eines Opel Corsa mit 45 PS sowie ein BMW Getriebe mit Kickstarter. Sattel und Tank stammen von Harley Davidson. „Meine Frau und ich waren schon sechsmal in der Eifel mit diesem Motorrad und es gab noch nie Probleme“, sagte Thiesies sichtlich stolz.

In den Holstenhallen waren auch insgesamt 15 Vorkriegsautomobile ausgestellt. Darunter der im Vorfeld der Messe bereits angekündigte Austin 7 Swallow von 1931. Das Fahrzeug wurde einst von Jaguar-Gründer Sir William Lions designed. „Das Besondere ist, dass das Fahrzeug im unrestaurierten Originalzustand ist“, erzählte Messe-Projektleiter Christoph Honnen. Der Wert dieses Fahrzeugs könne nur geschätzt werden, pendelt aber im hohen sechsstelligen, eher im siebenstelligen Euro-Bereich. Der Besitzer des Fahrzeugs stammt aus Schleswig-Holstein. Wer er ist und woher genau er kommt, blieb unter Verschluss.

Einer der Höhepunkte der Klassiker-Tage ist seit fünf Jahren der Auftritt von Georg Meyering, dem personifizierten Automobillexikon. „Mein Highlight auf den Klassiker-Tagen Schleswig-Holstein sind seit fünf Jahren die Hallen selbst. Sie sind ein geschichtsträchtiger Ort, der ideal ist, um eine solche Messe zu veranstalten“, sagte er. Im Gespräch drehte er sich zu einem Opel Admiral A 2,6 und erkannte sofort, dass das Fahrzeug aus Dänemark oder Italien stammen muss, weil es Blinker an den Kotflügeln hatte. Außerdem wurde es nach der Internationalen Automobilausstellung 1967 gebaut, was ihm wiederum die silbernen Zierleisten an den Seiten des Fahrzeugs verrieten. Mit seinem unglaublichen Fachwissen beeindruckte er nicht nur bei seiner bewährten Moderation auf der Rampe seine Zuhörer. Erstmals gab er auch eine Führung in der Halle. Hier referierte er über die ausgestellten Fahrzeuge wie immer aus dem Effeff. Immer wieder lieferte er auch noch eine erlesene Auswahl an Film-Perlen, in denen die vorgestellten Fahrzeuge zu sehen sind.

Oldtimer erleben zurzeit einen Boom. Die Besitzer werden immer jünger, was sich auch auf dem Freigelände zeigte. Viele junge Leute präsentierten ihre Young- und Oldtimer. Einer war Christopher Grassau (27) aus Tungendorf. Er war mit seinem Ford A, Baujahr 1928, zu den Holstenhallen gekommen. „Der gehörte meinem Großvater. Ich verbinde viele Kindheitserinnerungen mit diesem Auto. Weil mein Großvater diesen und seinen Ford Eifel verkaufen wollte, lernte ich Karosseriebauer und habe die Autos von ihm übernommen“, erzählte Grassau.

Dass die Klassiker-Tage vom August in den Mai verlegt wurden, kam bei den Ausstellern gut an. „Jetzt beginnt die Saison. Alle sind heiß, wollen noch mit dem einen oder anderen ausfahren. Das war die richtige Entscheidung“, meinte Aussteller Jürgen Swoboda aus Steinbergkirche bei Flensburg.


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