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Weniger Firmeninsolvenzen : Oft trifft es Gründer

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Zahl der Firmeninsolvenzen sinkt. Die Überschuldungsquote bei Verbrauchern steigt dagegen.

Neumünster | Die Zahl der Unternehmenspleiten ist im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit Einführung des neuen Insolvenzrechts 1999 gesunken. In Neumünster mussten 23 Firmen den bitteren Gang zum Insolvenzgericht antreten. Unter den 202 sonstigen Insolvenzen waren 34 ehemals selbstständig Tätige.

Das ist bei den Firmeninsolvenzen ein deutlicher Rückgang. 2013 traf es noch 34 Firmen, im Jahr 2012 sogar 49 Unternehmen, in den Jahren davor immer knapp über 30. „Das ist nicht unsere Baustelle. Unsere Mitgliedsunternehmen sind gesund“, sagt Dr. Martina Tambert-Thomas vom Unternehmensverband Mittelholstein zu den Zahlen, die das Statistische Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein regelmäßig veröffentlicht. In der Tat kann sich der Unternehmensverband beruhigt zurücklehnen. Bei mehr als 230 Mitgliedsunternehmen fallen jeweils eine Unternehmensinsolvenz 2014 und 2013 nicht ins Gewicht.

Zu den größeren Pleiten gehörte 2014 die des Fleischereimaschinenbauers Kilia an der Christianstraße mit 51 Mitarbeitern (der Courier berichtete). Bezeichnend ist aber, dass an Position 3 bereits ein Handwerksbetrieb mit 12 Mitarbeitern rangiert. „Relativ häufig betroffen sind Gründerfirmen, die oft als sogenannte Unternehmer-Gesellschaften haftungsbeschränkt sind“, sagt Sven Torben Hanisch von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Hier sei das Risiko zu scheitern besonders groß. 51 Prozent der Insolvenzen beträfen Unternehmen, die jünger als acht Jahre waren. 81 Prozent seien Kleinstunternehmen mit höchstens fünf Beschäftigten. Und bei der Hälfte der Pleite-Firmen liegt der Jahresumsatz unter 200  000 Euro. Hanisch kann diesen bundesweiten Trend auch für Neumünster bestätigen.

Als Gründe für die rückläufigen Unternehmensinsolvenzen nennt er die gute Konjunktur und ausreichende Finanzierungsmöglichkeiten für die Wirtschaft. Die vor Jahren an die Wand gemalte Kreditklemme gebe es nicht. Die bundesweit größte Insolvenz legte 2014 übrigens die auch in Neumünster mit einer Filiale vertretene Verlagsgruppe Weltbild hin.

Anders als bei Unternehmen haben sich die Wolken für die Verbraucher in finanziellen Angelegenheiten wieder etwas verdunkelt. Der Schuldneratlas der Creditreform weist für Neumünster wieder eine höhere Überschuldungsquote auf. In der Stadt gilt jeder sechste Erwachsene als überschuldet, das heißt, er hat massive Probleme, seine Rechnungen zu bezahlen. In der Innenstadt ist es sogar jeder Dritte. Hanisch: „Die Verbraucher leisten sich mehr, als sie sich leisten können.“

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erstellt am 31.Mär.2015 | 05:00 Uhr

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