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Wohnungsmarkt : „Obdachlose stehen am Ende der Bewerberschlange“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Stadt und Jobcenter sehen ausreichend preisgünstigen Wohnraum / Diakonie regt ein eigenes städtisches Kontingent für Menschen in Wohnungsnot an

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erstellt am 03.Feb.2017 | 06:00 Uhr

Neumünster | Der Hilferuf der Diakonie wegen stark gestiegener Obdachlosenzahlen in der Übernachtungsstelle an der Gasstraße (der Courier berichtete) hatte jetzt ein Nachspiel im Sozial- und Gesundheitsausschuss. Das Bündnis für Bürger (BFB) hatte zur Situation von Obdachlosen eine Große Anfrage gestellt. BFB-Ausschussmitglied Stefan Helmers hakte nochmal nach.

Dass preisgünstiger Wohnraum, der auch den Mietobergrenzen des Jobcenters entspricht, ausreichend zur Verfügung steht, mochte Helmers nicht recht glauben. „Wir haben uns diese Aussage noch einmal aktuell vom Jobcenter bestätigen lassen“, versicherte Stadtrat und Sozialdezernent Carsten Hillgruber.

Allerdings räumte Holger Pohlmann, der Fachdienstleiter Soziale Hilfen, ein, dass Vermieter ihre Entscheidung auch von anderen – subjektiven – Kriterien abhängig machen. „Nicht jeder, der nachfragt, bekommt so eine Wohnung,“ sagte Holger Pohlmann.

Melanie Popp, die Leiterin der Zentralen Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot (ZBS), konnte das bestätigen. „Unsere Klienten haben Schwierigkeiten, auf dem lokalen Wohnungsmarkt fündig zu werden. Problematische Haushalte fallen oft herunter und stehen ganz am Ende der Bewerberschlange.“

BFB-Mann Stefan Helmers regte an, die Stadt solle mehr Einfluss auf ihre eigene Wohnungsgesellschaft nehmen. „Wenn die Wobau ankündigt: ‚Wir sanieren‘, habe ich die Befürchtung, da fällt noch mehr günstiger Wohnraum weg“, so Helmers. Harmke Janssen (CDU) widersprach: „Wir können der Wobau doch nicht sagen: Modernisiert nicht, damit Wohnungen billig bleiben.“

Diakonie-Geschäftsführer Heinrich Deicke äußerte dagegen Verständnis für „die Sorge, die wir ja auch zum Ausdruck gebracht haben“. Die Wobau habe die Diakonie daraufhin zu einem Gespräch eingeladen. Der SPD-Ratsfraktionsvorsitzende Volker Andresen ist auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Wobau und hofft, „dass die Gespräche zwischen Diakonie und Wobau fruchten“.

Das eigentliche Problem sei, dass in Neumünster in den vergangenen Jahren kein sozialer Wohnungsbau mehr stattgefunden habe. Andresen: „Die Stadt zahlt lieber Strafzinsen, als die Mittel einzusetzen.“ Auf der Straße müsse aber kein Obdachloser campieren.

Diakonie-Chef Heinrich Deicke: „Die Stadt hatte früher eigene Wohnungen, auf die sie direkt zugreifen konnte. Das gibt es nicht mehr. Ein solches Kontingent für die Zentrale Beratungsstelle wäre hilfreich.“

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