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Holocaust-Gedenktag: : OB mahnt Willkommen für Verfolgte an

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Stadt und demokratische Parteien gedenken der Opfer des Nazi-Terrors. Ausstellung im Rathaus klärt über die Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ auf.

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erstellt am 28.Jan.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | Mit einer Kranzniederlegung am Mahnmal gegen Diktatur und Gewaltherrschaft im Rathaus-Innenhof gedachte die Stadt gestern Abend der Opfer der Naziherrschaft. Alle demokratischen Ratsparteien, der Runde Tisch für Toleranz und Demokratie, Kirchen und Verbände schlossen sich dem Gedenken an, zu dem auch rund 60 Bürger erschienen waren.

Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit, 2005 wurde dieser Tag von der UNO zum internationalen Holocaust-Gedenktag ausgerufen, seit 2012 wird der Gedenktag – ausgelöst durch die Aufdeckung der NSU-Morde – auch in Neumünster wieder in offiziellem Rahmen begangen. Dem Gedenken am Rathaus war ein ökumenischer Gedenkgottesdienst in der Vicelinkirche vorangegangen.

Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras nutzte das Gedenken, um Neumünster auf ein Willkommen für die Flüchtlinge einzuschwören. Er erinnerte an die Flüchtlingsströme, die seinerzeit das Ende des Naziterrors begleiteten. Auch damals habe es Ressentiments gegen die Neuankömmlinge gegeben, gleichwohl sei die Eingliederung der „Fremden“ geglückt. Die Lehren aus der Nazi-Zeit, aber auch die Nächstenliebe seien Verpflichtung, den heute Verfolgten, Schutz zu gewähren, sagte der OB. Zugleich rief er dazu auf, sich denjenigen entgegenzustellen, die Probleme, die sich aus der Integration ergeben, für ihre politischen Ideologien missbrauchen: „Wir müssen darauf achten , dass die Berichte von Vorfällen, an denen vermutlich Flüchtlinge beteiligt sind, nicht zu einem Rechtsruck in unserer Gesellschaft führen,“ sagte Tauras in Anspielung auf die Übergriffe in Köln und anderen Städten.

Bereits im fünften Jahr wird der Gedenktag der Stadt durch ein Rahmenprogramm des Runden Tisches für Toleranz und Demokratie ergänzt. Dr. Christof Ostheimer vom Runden Tisch eröffnete dazu im Anschluss an die Kranzniederlegung mit dem Berliner Historiker Dr. Hans Coppi im Foyer des Rathauses einen Ausstellung zur Widerstandsgruppe „Rote Kappelle“. Dr. Hans Coppi ist Sohn von Hans und Hilde Coppi, die nach der Aufdeckung der Gruppe durch die Gestapo 1942/43 hingerichtet wurden. Coppi erklärte den Besuchern Personen und Bedeutung der Gruppe und trat dabei insbesondere dem noch immer vorherrschenden Bild von der „Roten Kapelle“ als einer kommunistischen Spionagegruppe entgegen: „Es war eher ein loses Netzwerk verschiedener Widerstandsgruppen ganz unterschiedlicher Herkunft: Adlige, Offiziere, Sozialisten, Kommunisten.“ Erst die Gestapo habe die Menschen, die auf ganz unterschiedliche Weise gegen den Staatsterror aufbegehrten zur „Roten Kapelle“ zusammengefasst, um sie für die Propaganda zu „Staatsfeinden“ zu machen.

Die Ausstellung „Rote Kapelle“ ist noch bis 5. Februar im Foyer des Neuen Rathauses zu sehen.

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