zur Navigation springen

Flüchtlinge : OB in Sorge: „Die Stimmung darf nicht kippen“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

40 Prozent aller Flüchtlinge in schleswig-holsteinischen Erstaufnahmeeinrichtungen leben in Neumünster.

Neumünster | Die Flüchtlingssituation beschäftigt die Neumünsteraner. Die Hilfs- und Spendenbereitschaft ist groß, aber immer häufiger sind auch Stimmen zu hören, die von einer ungerechten Verteilung der Flüchtlingsströme sprechen.

Auf einer Fachtagung von Städteverband und Landkreistag zum Thema der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge schlug auch Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras am Mittwoch im Kiek In erstmals einen leicht veränderten Unterton an. „Sie haben sich für Ihre Tagung die Stadt ausgewählt, in der derzeit die meisten Flüchtlinge in Schleswig-Holstein untergebracht sind. Es sind 5100 von den rund 12 300 Flüchtlingen, die in ganz Schleswig-Holstein in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht sind. Also mehr als 40 Prozent“, sagte Tauras.

Bei solchen Dimensionen stellt Tauras sich die Frage, wie man bei aller Aufnahmebereitschaft auch die Belastung für die Bürger so gering wie möglich halten kann. „Das ehrenamtliche Engagement ist weiterhin ungemein groß, aber das kann nicht auf Dauer als Basis genommen werden.“

Auch im Rathaus war die Stimmung schon einmal besser, denn noch immer wartet man auf Informationen aus dem Kieler Innenministerium, ab wann die Stadt wie viele Asylbewerber dauerhaft unterbringen soll. Das Privileg, wegen der Erstaufnahme am Haart keine Dauerzuweisung zu bekommen, will das Land streichen (der Courier berichtete). Tauras: „Die Zahlen und unsere bisherigen Maßnahmen, wie zum Beispiel die Bereitstellung der Sporthalle und des städtischen Geländes der ehemaligen Scholtz-Kaserne zeigen unsere Bereitschaft zu helfen. Das Land darf diese Hilfe aber nicht überstrapazieren. Ich werde diese Punkte in die Diskussion mit dem Land einbringen.“

Dennoch bereitet die Verwaltung eine Unterbringung vor und sucht Wohnraum. Viele private Vermieter haben offenbar schon Angebote gemeldet. Die sind im ganzen Stadtgebiet verteilt und werden jetzt gesammelt und ausgewertet.

Befürchtet der OB, dass die Stimmung in Neumünster kippen könnte? Tauras: „Ich nehme noch immer einen hohen Grad an Hilfsbereitschaft in Neumünster wahr. Das hat auch unser aktuell gestartetes Ehrenamtsnetzwerk für die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge gezeigt. Aber mich erreichen viele Stimmen von Bürgerinnen und Bürgern, die ihre Befürchtungen und Bedenken haben. Das gibt mir Grund zu der Befürchtung, dass die Stimmung kippen könnte. Und das müssen wir auf jeden Fall verhindern.“

 

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 09.Okt.2015 | 06:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen