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Feuerwehrreform : Nur Wehren mit mindestens 50 Mann haben eine Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Projektgruppe stellt Maßnahmen für die Zukunft der Feuerwehr vor / Prämien für fusionswillige Wehren

Neumünster | Lange und intensiv wurde diskutiert, nun liegen die Ergebnisse vor: 15 Punkte schlägt die Projektgruppe „Zukunft FF 2025“ der Stadtverwaltung zur Umsetzung vor, damit auch in zehn Jahren der Brandschutz in Neumünster auf hohem Niveau gehalten werden kann. Im Mittelpunkt stehen dabei Fusionen der derzeit noch sieben Freiwilligen Wehren.

Jede Ortswehr soll künftig mindestens 50 aktive Helfer haben, um nicht nur nachts, sondern auch tagsüber einsatzbereit zu sein. Das ist momentan ein Problem, denn nicht immer stehen zwischen 6 und 18 Uhr genügend Ehrenamtliche zur Verfügung. Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras soll deshalb alle Betriebe anschreiben mit der Bitte, Angestellte, die in der Freiwilligen Feuerwehr sind, im Einsatzfall freizustellen. Neben dem bereits beschlossenen Zusammengehen von Brachenfeld und Stadtmitte im Herbst (der Courier berichtete) ist in den kommenden zehn Jahren auch die Fusion der beiden Tungendorfer Wehren sowie der Wehren von Wittorf und Gadeland laut Papier „an taktisch sinnvollen Standorten“ geplant. Wo diese liegen, kann Stadtbrandmeister Dr. Klaus-Peter Jürgens noch nicht sagen: „Sicher ist nur, dass die Ausrückebereiche neu geschnitten werden müssen.“

Wehren, die fusionswillig sind, sollen Prämien erhalten. „Das kann zum Beispiel die neue Einsatzkleidung sein, die früher kommt als an anderen Standorten, oder die Genehmigung von mehr Lehrgängen“, erklärt Jürgens. Zudem sollen alle Wehren mit den gleichen Fahrzeugen ausgestattet werden. „So können wir gewährleisten, dass der Einfelder auch das Gadelander Fahrzeug oder der Brachenfelder das Wittorfer Fahrzeug bedienen kann“, sagt Jürgens.

Einen weiteren Schwerpunkt sieht die Arbeitsgruppe in der Nachwuchsgewinnung. Künftig soll jede Wehr eine Jugendabteilung besitzen. Der Stadtfeuerwehrverband will eine zentrale Kinderfeuerwehr für Mädchen und Jungen ab sechs Jahre gründen. „Ohne Kinder und Jugendliche schaffen wir es nicht, später den Bestand an Aktiven zu halten“, ist sich der Stadtbrandmeister sicher. Zudem soll die Stadt jeden Neubürger und junge Leute, die 18 Jahre alt geworden sind, anschreiben und mit einem Informationsblatt für den ehrenamtlichen Dienst bei der Feuerwehr locken. Für die weitere Mitglieder-Werbung ist eine jährliche finanzielle Pauschale geplant.

Geld kostet auch die Schaffung einer Vollzeitstelle bei der Berufsfeuerwehr zur Verwaltung der Freiwilligen Feuerwehren. Damit könnte die Stadtwehrführung künftig wie in Kiel von der Ehren- in die Hauptamtlichkeit überführt werden. „Es gibt niemanden, der den anspruchsvollen und zeitintensiven Job noch nebenher erledigen will“, sagt Jürgens. Er wollte eigentlich im Frühjahr aufhören, hängt nun aber ein weiteres Jahr dran (der Courier berichtete).

Vorgestellt werden alle Maßnahmen auf der Sitzung des Brandschutz-Ausschusses am kommenden Dienstag, 19. April, um 18 Uhr in der Feuer- und Rettungswache, Färberstraße 105-107. Weitere Tagesordnungspunkte sind
die Teilnahme am Digitalfunknetzes, die Pläne für den Bau einer Rettungsdienstgarage im Gefahrenabwehrzentrum und der Ausbau der Wache in Einfeld.

STANDPUNKT

Landesweit eine Vorreiterrolle

Ist der Brandschutz auch in zehn Jahren noch sicher? Wohl kaum jemand in Schleswig-Holstein hat sich darüber schon intensiv Gedanken gemacht, geschweige denn Maßnahmen getroffen. Mit ihrer Projektgruppe und den nun öffentlichen Plänen nimmt die Feuerwehr in Neumünster eine Vorreiterrolle ein. Das ist nicht nur „nett“, sondern überlebenswichtig. Wenn niemand mehr da ist, der freiwillig das Feuer aus macht oder den Verletzten aus dem Unfall-Auto schneidet, gibt es nur zwei Möglichkeiten: eine Zwangswehr, in der jeder Bürger verpflichtet wird, oder deutlich mehr Personal für die Berufsfeuerwehren, die ihren Einsatzbereich großflächig ausdehnen müssten. Beides käme Stadt und Land deutlich teurer als die nun gemachten Vorschläge. Das sollte man immer im Hinterkopf haben.

 

 

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erstellt am 14.Apr.2016 | 08:00 Uhr

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