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Holsteinischer Courier

15. Dezember 2017 | 07:57 Uhr

Gericht : Nur knapp am Totschlag vorbei

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Vor einen Jahr schlug Benno B. einem Kumpel im Park eine Bierflasche über den Kopf und verletzte ihn schwer. Das Gericht gibt ihm eine zweite Chance

von
erstellt am 03.Feb.2016 | 08:30 Uhr

Neumünster | Es hätte nicht viel gefehlt, dann hätte Benno B. (33) sein Leben endgültig versaut: Nach einem heftigen Streit unter Kumpeln schlug er seinem damaligen Freund im Rencks Park auf offener Szene eine Bierflasche über den Kopf. Das Opfer ging sofort zu Boden, blutete aus Mund und Ohren. Der Arzt im Krankenhaus diagnostizierte wenig später einen vierfachen Jochbeinbruch; noch heute tut dem Opfer das Essen und Sprechen weh. Es hätte schlimmer ausgehen können.

Das Amtsgericht an der Boostedter Straße versuchte gestern, die Hintergründe für die lebensbedrohliche Attacke aufzudecken und ließ nach anderthalbstündiger Verhandlung dennoch Milde gegen den Angeklagten walten.

Der machte von Beginn an keinen Hehl aus seiner Schuld und wurde nicht müde zu versichern, dass er endlich aus der Szene aussteigen wolle. „Es widert mich alles an, ich will endlich mein Leben neu sortieren“, sagte der Angeklagte und bekam dabei Unterstützung von seinem Anwalt. Danach hat der ehemalige Maler und Lackierer aus Neumünster nach sechsjähriger schwerer Heroin- und Tablettenabhängigkeit eine Therapie begonnen, die ihn endlich aus dem Teufelskreis von Suff, Sucht und Kleinkriminalität herausbringen soll. Sozialbetreuer räumen ihm dabei gute Chancen ein. Auf Richter und Staatsanwalt machte das durchaus Eindruck.

Dem beinahe tödlich verlaufenen Streit war offenbar ein „Missverständnis“ während einer gemeinsamen Klau-Tour der beiden einst befreundeten Saufkumpane im Netto-Markt an der Altonaer Straße vorangegangen. Das spätere Opfer hatte dort – offenbar ohne dass Benno B. das bemerkte – eine Flasche Bier in den Rücksack seines Kumpels geschmuggelt, sich an der Kasse aber aus dem Staub gemacht. Benno B. wurde erwischt und machte seinem Kumpel wenig später heftige Vorwürfe. Es kam zum offenen Streit.

Allerdings: Nicht Benno B., sondern sein Ex-Kumpel holte dabei zum ersten Schlag aus. So schilderte es jedenfalls ein dritter damaliger Zechbruder, der den Streit damals hautnah mitverfolgt hatte. Benno habe eher im Reflex zugehauen, „der hat gar nicht registriert, dass er die Flasche noch in der Hand hatte“, sagte der Zeuge aus.

Das gab im Verfahren den Ausschlag: Keine Notwehr, aber offensichtlich auch kein gezielter Vorsatz, das Opfer ernsthaft verletzen zu wollen, interpretierte das Gericht.

Es verurteilte den Angeklagten zur sechs Monaten Gefängnis – die Mindeststrafe für gefährlich e Körperverletzung. Die Strafe wird für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Dem reuigen Schläger wird ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Zur Auflage machte das Gericht dem Verurteilten außerdem, seine Drogen-Therapie auf jeden Fall zu Ende zu führen. Dafür bedankte sich Benno B. bei der Richterin.

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