Neumünster : Nur ein „Schubser“ oder handfeste Prügel?

Drei Zeugen gaben an, der Taxifahrer sei geschlagen worden.
Drei Zeugen gaben an, der Taxifahrer sei geschlagen worden.

Prozessauftakt: Streit zwischen einem Teppichhändler und einem Taxifahrer war eskaliert.

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27. Juli 2018, 08:30 Uhr

Neumünster | Der Streit schwelte schon seit Monaten, am Morgen des 6. November 2017 lief er offenbar aus dem Ruder: Weil ein Taxifahrer ihn immer wieder im Halteverbot vor seinem Geschäft an der Christianstraße fotografierte, um ihn bei der Polizei anzuschwärzen, platzte einem 48-jährigen Teppichhändler an diesem Morgen offenbar der Kragen: Er stürzte auf das Taxi zu, riss die Fahrertür auf und traktierte den Fahrer mit Faustschlägen.

So wollten es jedenfalls gleich drei Zeugen beobachtet haben, und so trug es gestern auch der Staatsanwalt im Amtsgericht vor.

Aber hat es die Schläge tatsächlich gegeben? – Je länger die Zeugenbefragungen dauerten, desto mehr drohte die Anklage unter den genervten Blicken des Staatsanwaltes zu zerbröseln: Die Zeugen, Mitarbeiter einer Sozialberatung, die den Streit aus ihrem Büro heraus beobachtet hatten und seinerzeit laut Polizei noch übereinstimmend von Faustschlägen auf den im Taxi sitzenden Fahrer berichtet hatten, mochten sich jetzt trotz intensiven Nachhakens des Richters nicht mehr erinnern. „Das ist schon so lange her“, bedauerte ein Zeuge. Eine Zeugin konnte sich immerhin erinnern, wie der Ladenbesitzer den Taxifahrer zurückgestoßen habe. Beide Männer hätten bei dem „Schubser“ aber auf der Straße gestanden.

Auch der Teppichhändler selbst bestätigte zwar den Streit auf offener Straße, wies den Prügel-Vorwurf aber weit von sich: „Glauben Sie mir, ich habe niemanden angefasst oder geschlagen“, versicherte er dem Richter. Der will jetzt einen Mitarbeiter des Teppichgeschäfts und vor allem den derzeit urlaubenden Taxifahrer als weitere Zeugen anhören. Der Prozess wird am 18. August fortgesetzt.

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