Gema-Gebühren : Nur die Weihnachtsklassiker sind frei

Ohne Musik wäre der Weihnachtsmarkt auf dem Großflecken nur halb so schön. Die Gema vertritt die Rechte der Komponisten und kassiert Gebühren. Foto: Ziehm
Ohne Musik wäre der Weihnachtsmarkt auf dem Großflecken nur halb so schön. Die Gema vertritt die Rechte der Komponisten und kassiert Gebühren. Foto: Ziehm

Auch auf Weihnachtsmärkten müssen die Schausteller für die Musik Gebühren an die Gema abführen - neuerdings sogar für die komplette Fläche.

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24. November 2011, 11:40 Uhr

Neumünster | "Stille Nacht" und "O du fröhliche" - ohne weihnachtliche Musik wäre der Weihnachtsmarkt auf dem Großflecken in Neumünster nur halb so schön und besinnlich. Und solche alten Klassiker dürfen auch kostenfrei gespielt und gesungen werden. Moderne Titel rufen dagegen schnell die Gema auf den Plan. Sie wacht bei öffentlicher Aufführung von Musik auf die Rechte der Urheber und erhebt dafür Gebühren. Nach einem höchstrichterlichen Urteil wird für die Bemessung neuerdings sogar die komplette Fläche des Weihnachtsmarkts herangezogen. Das kann manchen Veranstalter teuer zu stehen kommen. Wer seine Veranstaltung nicht anmeldet und erwischt wird, muss den doppelten Satz zahlen.
Die Stadt sieht sich auf rechtlich sicherem Boden. "Die Gema-Gebühren für die Eisbahn zahlt die Firma Inter event als Betreiber", sagt Stadtsprecher Stephan Beitz. Man habe die Gema wegen der Auftritte des Posaunenchors angeschrieben. Beitz: "Wir gehen davon aus, dass bei Kirchenliedern keine Urheberrechte berührt sind und haben auch nichts Gegenteiliges von der Gema gehört."
Holstenköste wird pauschal abgegolten
Die Stadt habe wie andere Gemeinden einen Rahmenvertrag mit der Gema geschlossen, vermutet Weihnachtsdorf-Organisator Ingo Kluge. Doch da liegt er falsch. Für den Weihnachtsmarkt gibt es nämlich keinen solchen Vertrag. Anders ist das bei der Holstenköste. Sie wird pauschal abgegolten. Neumünster hat für die Köste über den Deutschen Städtetag einen Rahmenvertrag mit der Gema abgeschlossen und zahlte dafür in diesem Jahr 10.000 Euro. Ob sich daran etwas für die Holstenköste 2012 ändere, müsse man abwarten, sagt Beitz. Die Stadt regele das alles seit Jahren schon ganz sauber. "Bevor der erste Ton auf der Köste gespielt wird, ist die Gema-Rechnung schon bezahlt", sagt Beitz.
Auch die Schausteller auf dem Weihnachtsmarkt sind aus dem Schneider. "Jeder einzelne Schausteller hat mit der Gema einen eigenen Vertrag. Wir sind Dauerkunden bei der Gema wie der Normalbürger bei der GEZ", sagt Ludolf Fock. Der Neumünsteraner ist Präsident des Schaustellerverbandes und muss für die Lautsprecher-Musik in seinen Autoscooter-Betrieb knapp 1000 Euro im Jahr an die Gema abführen.

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