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Holsteinischer Courier

18. August 2017 | 01:24 Uhr

Bordesholm : Nur die Leuchtraketen knallten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Rund 1300 Bordesholmer mussten gestern Mittag nach dem Fund eines Sprengkörpers für eine Stunde ihre Häuser verlassen / Zum Evakuierungspunkt Lindenschule kamen aber nur 30 Menschen.

Eigentlich sollte es ja Kabeljaufilet geben. „Donnerstags ist unser Fischtag“, sagt Petra Rocholl. Doch gestern Mittag um 12 Uhr steht die Inhaberin des Hotels Carstens in Bordesholm alleine mit Ehemann Karsten in ihrem normalerweise um die Zeit mit Gästen gefüllten Restaurant. Schuld ist nicht der Fisch, sondern eine Bombe, die ein Baggerfahrer am Mittwochabend gegenüber des Autohauses Rathje an der Kieler Straße entdeckt hatte (der Courier berichtete).

Das Hotel liegt genau 500 Meter von der Fundstelle entfernt und damit exakt am äußeren Ring des für die Entschärfung zu evakuierenden Geländes. Rund 1300 Menschen aus 650 Haushalten zwischen Holstenstraße im Süden, Alter Landstraße im Norden und Westen sowie dem Stintgraben im Osten müssen ihre Häuser bis 13.30 Uhr verlassen – auch die Rocholls. Doch bevor Petra Rocholl ihr Hotel abschließt, lädt sie noch schnell eine große Terrine mit 30 Litern Kartoffel-Lauch-Suppe von Koch Jörg Wittkopp ins Auto. „Die kommt in die Lindenschule“, sagt sie.

Dort hat die Gemeinde gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz einen sogenannten Evakuierungspunkt eingerichtet. Am Eingang geht Amtsdirektor Heinrich Lembrecht zur gleichen Zeit gemeinsam mit Ordnungsamtschef Sven Ingwersen und dem DRK-Einsatzleiter Norbert Schmidt noch einmal den Ablauf durch. „Bis 13.30 Uhr soll die Evakuierung abgeschlossen sein, um 14 Uhr beginnt die Entschärfung“, sagt Ingwersen. Lembrecht ergänzt: „Das ist schon ein besonderes Ereignis. Die letzte Bombe wurde vor 18 Jahren in Schmalstede entdeckt.“

Ständig in Kontakt steht das Trio auch mit dem Leiter der Polizei-Zentralstation, Claus-Otto Hebbeln, und seinem Stellvertreter Dirk Maschmann sowie den 15 freiwilligen Feuerwehrleuten um Wehrführer Peter Koch. Sie fahren um kurz vor 13 Uhr ein letztes Mal mit dem Lautsprecherwagen durch die betroffenen Straßen, fordern die Bevölkerung auf, die Häuser zu verlassen.

Glück hat der kommunale Kindergarten am Birkenweg. „Wir sind das erste Haus außerhalb der gesperrten Zone, die Nachbarn müssen schon gehen“, sagt Leiterin Christine Conrad. Der Betrieb mit den 70 Kindern läuft normal. Etwas früher als sonst holt Joanna Laupichler ihren Sohn Aljoscha (3) dort ab. „Wir wohnen im Evakuierungsbereich. Ich will noch schnell vorher nach Hause, dann fahren wir zu Bekannten“, sagt sie. Sorgen, dass etwas schief geht, hat sie nicht.

Ab 13.30 Uhr sind dann nur noch Streifenwagen rund um die Einsatzstelle zu sehen. Die Polizisten schauen in den leergefegten Straßen auch nach Einbrechern. „Die nutzen so eine Chance gerne aus“, weiß Polizeisprecher Rainer Wetzel. Er sitzt in der Einsatzzentrale der Lindenschule. Nebenan in der Sporthalle haben sich um 13.50 Uhr bei weitem nicht die erwarteten 130 bis 150 Personen eingefunden. Gerade einmal 30 Bürger lassen sich von den Helfern des DRK mit Suppe und Getränken versorgen. Darunter auch Birgit Gräpel und Tochter Hanna (7). „Ich bin etwas früher von der Arbeit gekommen, um Hanna von der Schule abzuholen. Meine größere Tochter Laura kommt auch noch her. Die Kinder können ja nicht nach Hause“, sagt sie.

Punkt 14 Uhr sperren Polizisten dann auch die Kieler Straße komplett ab. Drei Minuten später knallt es. Eine rote Leuchtrakete steigt gen Himmel. Sprengmeister Oliver Kinast und seine Helfer Robert Dann und Anton Dietrich vom Kampfmittelräumdienst aus Groß Nordsee (Kreis Rendsburg-Eckernförde) machen sich an die heikle Arbeit. Sie entfernen den noch intakten Zünder der 45 Kilogramm schweren und mit 25 Kilogramm Sprengstoff gefüllten Bombe.

Um 14.18 Uhr dann der erlösende Knall. Gleich darauf steigt eine grüne Leuchtrakete in den Himmel. Sie signalisiert: Alles ist gut gelaufen. „Das war kein Problem“, sagt Sprengmeister Kinast, als er die vermutlich im Zweiten Weltkrieg fehlgeleitete Bombe eines Jagdflugzeugs präsentiert. Und für die Bordesholmer hat er noch eine gute Nachricht. „Wir haben in der Umgebung gemessen, weitere Bomben erwarten wir hier nicht.“

 

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erstellt am 07.Feb.2014 | 05:30 Uhr

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