Stromschulden Neumünster : Nur bei wenigen wird es dunkel

Matthias Fahrenkrog (Stadtwerke) und Sibylle Schwenk (Schuldnerberatung) zeigen das Strommessgerät, das sich Stadtwerke-Kunden kostenlos leihen können.
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Matthias Fahrenkrog (Stadtwerke) und Sibylle Schwenk (Schuldnerberatung) zeigen das Strommessgerät, das sich Stadtwerke-Kunden kostenlos leihen können.

Trotz steigender Stromschuldner-Zahl: Stadtwerke und Schuldenberatung ziehen positive Bilanz zu ihrem Energiesparprojekt.

shz.de von
23. Januar 2018, 08:30 Uhr

Neumünster | Nicht warten, bis es duster wird: Das rät die Schuldnerberatung der Diakonie Altholstein allen Klienten, die ihre Stromrechnung nicht bezahlen können. Die Beratungsstelle wurde 2015 aktiv und hat gemeinsam mit den Stadtwerken ein Energiespar-Projekt erarbeitet, das den Stromschuldnern unter die Arme greifen soll. Bilanz: 98 Prozent der angedrohten Stromsperrungen konnten verhindert werden.

„Das ist ein erfreuliches Ergebnis“, sagt Sibylle Schwenk, Fachbereichsleiterin der Schuldnerberatung. Trotzdem bleibt die Zahl an Stromschuldnern steigend. Zu Beginn das Projekts waren von den 480 Beratungen 119 wegen Stromschulden, 2016 waren es von 519 Fällen 146 und im vergangenen waren es von 529 sogar 193. „Rund ein Drittel unserer Klienten hat Stromschulden“, so die Fachbereichsleiterin.

Bei den Menschen, die bei Schwenk deswegen Hilfe suchen, kämen mehrere Probleme zusammen: „Viele haben alte Elektrogeräte, Boiler oder Durchlauferhitzer und nicht genügend Geld, um sich stromsparendere Geräte anzuschaffen“, so die Schuldnerberaterin. Hinzu komme, dass die meisten Menschen, die wegen des Stroms in Schieflage kommen, viel zu Hause sind und somit auch einen größeren Bedarf haben. Die Wohnungen seien zudem oft schlecht isoliert. „Manche kommen mit Stromschulden zu uns, die zweieinhalb mal so hoch sind wie das Einkommen“, erläutert Sibylle Schwenk.

2014 schlug die Beratungsstelle erstmals Alarm, weil die Zahl der Stromschuldner massiv angestiegen war. „Woran das liegt, können wir nicht genau festmachen“, erklärt Sibylle Schwenk. Seit der Öffnung des Energiemarkts 1998 sei der Strompreis mit den Jahren aber von 9 auf derzeit 28 Cent gestiegen. „Das bedeutet, die Menschen müssen etwa 25 Euro im Monat mehr bezahlen.“

Das Kooperationsprojekt setzt schon bei der Prävention an: Damit die Kunden ihren Stromverbrauch regulieren können, gibt es zum einen einfache Stromspar-Tipps, wie zum Beispiel Stand-By-Geräte auszuschalten. „Wir verleihen an unsere Kunden auch ein Strommessgeräte, mit denen sie messen können, wie viel die Haushaltsgeräte verbrauchen und welche davon echte Stromfresser sind“, erklärt Matthias Fahrenkrog vom Forderungsmanagement der Stadtwerke. Außerdem bietet der Versorger den Kunden, die auf Grundsicherung oder auf das Arbeitslosengeld II angewiesen sind, einen Stromspar-Check an. Dabei kommt nicht nur ein Berater ins Haus und gibt Tipps, sondern es werden auch kostenlos Energiesparartikel wie LED-Leuchtmittel ausgegeben.

Kunden, die schon mit ihrer Zahlung in Verzug geraten sind und zur Beratung gehen, bekommen eine Schonfrist von drei Monaten von ihrem Energieversorger, und die Berater erarbeiten mit ihren Klienten einen realistischen Rückzahlungsplan. „Bei denjenigen, bei denen auch eine Ratenzahlung binnen eines Jahres nicht möglich ist, kommt ein Insolvenzverfahren in Betracht“, erklärt Sibylle Schwenk. Für einen größeren Erfolg der Beratung rät sie den Menschen, sich frühzeitig Hilfe zu holen. „Wer wartet, bis der Strom abgeschaltet ist und sich erst dann um Hilfe bemüht, hat es schwerer als diejenigen, die bei der ersten Mahnung zur Beratung gehen“, so Fahrenkrog. Das Abstellen des Stroms kommt dem Verbraucher mit rund 150 Euro inklusive Mahngebühren im Übrigen teuer zu stehen.

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