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Landesunterkunft : Nur 490 Flüchtlinge in der Erstaufnahme

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In der Landesunterkunft am Haart stehen derzeit viele Betten leer.

von
erstellt am 15.Apr.2016 | 08:15 Uhr

Neumünster | Die Stadt muss sich auf stark rückläufige Flüchtlingszahlen einstellen, ohne zu wissen, ob dieser Trend anhalten wird. Das machte Thorben Pries, der Büroleiter von Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras, am Mittwoch im Sozial- und Gesundheitsausschuss deutlich. Er tagte im Café der Tafel an der Kieler Straße.

Derzeit ist die Erstaufnahme am Haart (Stand: Montag) nur mit 490 Flüchtlingen belegt. Das Land hat die Kapazität wegen diverser Umbaumaßnahmen dort schon auf 1300 reduziert – eine Marke, die mittelfristig auch so Bestand haben soll. In der Außenstelle Boostedt sind zurzeit nur 460 Menschen untergebracht, bei 2000 Aufnahmeplätzen dort.

Das Land wolle daher mehrere Standorte ruhen lassen, plane aber auch eine Umstrukturierung, sagte Pries. So soll Neumünster/Boostedt neben den Erstaufnahmen in Rendsburg und Glückstadt ein sogenanntes qualifiziertes Leistungszentrum werden. Hier gibt es medizinische Untersuchungsstationen und auch Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Diese könnten die Verfahren bei Asylantragstellern mit hoher Chance, etwa Flüchtlingen aus Syrien, mit Schnellentscheiden deutlich beschleunigen. Das jedenfalls scheint der Hintergrund der vom Bund geplanten „Ankunftszentren“ zu sein. Neumünster und Glückstadt seien dafür im Gespräch, sagte Pries: „Darauf müssen wir uns auch in Neumünster einstellen.“

Die Stadt selbst bereitet sich auf die dauerhafte Aufnahme von Flüchtlingen außerhalb der Erstaufnahme ab 2017 vor. Größtes Projekt dabei ist ein Zentrum für Flüchtlinge als kommunale Gemeinschaftseinrichtung in der früheren Hindenburg-Kaserne. Gestern Abend waren die Nachbarn zu einer Informationsveranstaltung in die Aula der Immanuel-Kant-Schule eingeladen (wir berichten dazu morgen ausführlich). In der kommenden Woche geht zudem ein vierseitiges Faltblatt in Druck, das in einer Auflage von 40  000 Stück an alle Neumünsteraner Haushalte geschickt wird und in dem die Stadt ihre Pläne und Vorbereitungen erläutern will.

Als kleines Dankeschön für die ehrenamtlichen Helfer in der Flüchtlingsarbeit gibt es am Montag einen Empfang im Rathausfoyer. Dort werden auch die von Ministerpräsident Torsten Albig gestifteten Anstecker „Schleswig-Holstein hilft“ ausgegeben.

Für die soziale Betreuung der Flüchtlinge und die Verwaltung der Flüchtlingswohnungen sind die Ausschreibungen in Arbeit, teilte Pries mit. Der Bund hat ein neues Projekt zur Integration und Bildung von Flüchtlingen aufgelegt. Die Stadt wolle einen Förderantrag stellen.

Auch bei den minderjährigen Flüchtlingen, die ohne Eltern nach Neumünster gekommen sind und um die die Stadt sich kümmern muss, sind die Zahlen stark zurück gegangen. Kamen im November und Dezember noch etwa 200 Jugendliche, waren es im Januar 110, im Februar 81 und im März 37 und bislang im April nur noch 5. „Die Träger haben Plätze geschaffen, die zurzeit gar nicht belegt werden können. Es gibt aber keine Prognosen vom Bund, wie es in zwei oder drei Monaten aussieht“, sagte Thorben Pries.

SPD-Ratsherr Volker Andresen mahnte, „nicht voreilig Kapazitäten zu schließen“, nachdem die Einrichtung zur vorläufigen Inobhutnahme an der Parkstraße erst aufwändig hergerichtet worden sei. „Das wollen wir auch nicht und sind deshalb in Gesprächen mit dem Träger Iuvo und dem Land“, sagte Thorben Pries.

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