Todesmarsch : „NS-Schatten reichen bis an diesen Ort“

Fred Zimmak (von links, Sohn des überlebenden Marschteilnehmers Leonhard Zimmak), der Erste Stadtrat Carsten Hillgruber, Heinrich Kautzky (SHHB-Projekt Chaussee Altona-Kiel), Sabine Krebs (Stadtteilbeiratsvorsitzende Wittorf) und Jens Kay (SHHB Ortsgruppe Neumünster) enthüllten die Gedenktafel für die Opfer des Todesmarsches Hamburg-Kiel.
1 von 2
Fred Zimmak (von links, Sohn des überlebenden Marschteilnehmers Leonhard Zimmak), der Erste Stadtrat Carsten Hillgruber, Heinrich Kautzky (SHHB-Projekt Chaussee Altona-Kiel), Sabine Krebs (Stadtteilbeiratsvorsitzende Wittorf) und Jens Kay (SHHB Ortsgruppe Neumünster) enthüllten die Gedenktafel für die Opfer des Todesmarsches Hamburg-Kiel.

Die Gedenktafel zum Todesmarsch wurde in Wittorferfeld in Neumünster aufgestellt.

shz.de von
20. November 2017, 08:00 Uhr

Neumünster | Es schien am Sonnabendmorgen so, als wollte das Wetter die Qualen der 800 Menschen noch einmal deutlich machen, die im April 1945 auf dem Todesmarsch von Hamburg ins „Arbeitserziehungslager Nordmark“ in Kiel über die Chaussee Altona-Kiel getrieben wurden (der Courier berichtete). Sturm und Regen begleiteten die Feierstunde in Wittorferfeld, bei der eine Gedenktafel für die am 14. April 1945 an dieser Stelle erschossenen Häftlinge Maurice Sachs-Ettinghaus und Richard Hartmann enthüllt wurde.

Rund 50 Teilnehmer aus den Reihen des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes (SHHB), der Politik und Kirche sowie interessierte Bürger hatten sich dazu auf dem Parkplatz an der geschichtsträchtigen Straße versammelt. „Nur wenige Tage vor Ende des Krieges wurden die Menschen hier wie Vieh über die Straße getrieben. Die genauen Umstände der Erschießung lassen sich heute nicht mehr klären. Aber ihre Namen sollen stellvertretend für alle Opfer dazu beitragen, dass diese nicht vergessen werden“, sagte Jens Kay (SHHB-Ortsgruppe Neumünster).

Tief berührt äußerte sich zudem Fred Zimmak, der als Sohn des überlebenden Marschteilnehmers Leonard Zimmak und Mitglied der Arbeitsgruppe Biografie im SHHB dem Gedenken beiwohnte. „Wie Menschen diese Zeit des Bösen in Menschengestalt überleben konnten, kann ich bis heute nicht verstehen. Aber wir müssen uns immer an diese erinnern, damit die Welt vielleicht ein bisschen besser wird“, sagte er.

Die Aufstellung der Gedenktafel war vom Stadtteilbeirat Wittorf bei der Stadt beantragt und im September in der Ratsversammlung beschlossen worden.

„Ich bin sehr froh über diese Entscheidung. Die NS-Zeit liegt lange zurück, aber ihre Schatten reichen bis an diesen Ort, der auch nun deutlich macht, dass wir uns der Geschichte stellen und dass Rassismus und Unrecht keinen Platz in unserer Stadt haben“, erklärte die Wittorfer Stadtbeiratsvorsitzende Sabine Krebs.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert