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Buchneuheit : Nordfaser – Die Geschichte einer Firma

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ex-Geschäftsführer Berthold Hübner schreibt seine Erinnerungen auf / Die verzwickte Firmengeschichte hat er hautnah miterlebt

shz.de von
erstellt am 10.Feb.2015 | 06:30 Uhr

Neumünster | Phrix-Werke, Gelsenberg, Norddeutsche Faserwerke, Nylstar, Rhodia – und im Volksmund bis heute einfach nur „Nordfaser“: Kaum ein Unternehmen in Neumünster hat eine derart verzwickte Firmengeschichte wie die Faserwerke an der Tungendorfer Straße 10. Sie existierten von 1950 bis 2007 und waren mit bis zu 1300 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber der Wirtschaftsgeschichte der Stadt. Berthold Hübner (80) war kaufmännischer Geschäftsführer, arbeitete dort von 1984 bis 1996. Er schrieb seine Erinnerungen an die bewegten Zeiten als Chef in einem großen Konzern auf. Titel des Buches: „Zweite Ebene – Karriere in der freien Wirtschaft“.

Zentrale Figur des 298 Seiten starken Werkes ist Heinrich Tappert. Den gab es zwar nie, aber Berthold Hübner nutzt die fiktive Figur für seine Erzählung. Sie ist sehr nah an seine eigene Biografie angelehnt. Er arbeitet in der Minerölindustrie, trifft auf absolute Herrscher und einen „gefährlichen Generalbevollmächtigten, der über Leichen geht“. Hübner ist Zeuge von Intrigen hinter den Kulissen und dem Ringen des Chemiefaser-Betriebes um sein Überleben.

Der erste Teil des Buches beschreibt Hübners Wirken beim Energieriesen Veba (heute Eon), der die Gelsenberg-Gesellschaft schluckte. Mit einverleibt hatte sich Veba auch die Gelsenberg-Faserwerke in Neumünster. Das hatte politische Gründe: Die Erdölsuche und -förderung wurde staatlich subventioniert; es galt, die Erdölversorgung der Bundesrepublik zu sichern. Hübner: „Die Erdölsuche wurde international betrieben. Das war ein hartes Geschäft.“

Hübner war im Veba-Oel-Vorstand zuständig für die weltweite Exploration von Erdöl und Erdgas. Die Faserwerke waren ein ungeliebtes Kind im Konzern – aufgrund der Verluste, die den Gelsenberg-Aktionären ein Minus von 100 Millionen Mark bescherten. Nordfaser landete im Veba-Konzern bei Veba Oel. Dort wurde das Unternehmen saniert und wandelte sich zur respektierten Tochter.

Hübner, Prokurist und Stabsstellenleiter bei Veba Oel, erhält 1984 das Angebot, kaufmännischer Geschäftsführer bei Nordfaser zu werden. Er zieht mit seiner Frau Elke nach Neumünster. „Das war für mich ein Traumangebot. Ich hatte mir immer gewünscht, einmal Verantwortung für eine komplette Betriebswirtschaft zu übernehmen“, sagt er rückblickend. Er wird Nachfolger von Hans-Joachim Albrodt, der auch in Neumünster lebt. Hübners Annahme, er habe nun einen beschaulichen Job, erweist sich als Irrtum. Er erlebte eine turbulente Zeit: Zum einen war die Marktlage für Nordfaser kritisch. Zum anderen wurde Hübner als ein Chef aus der Konzernspitze misstrauisch empfangen. Doch er ließ sich nicht abschrecken: „Ich glaubte, genügend Erfahrung und Durchsetzungskraft zu haben.“ Nordfaser wurde zum Spielball zwischen Konzernen. Hübner: „Was ich sowohl persönlich als auch beruflich erlebt habe, war dramatisch.“ Nordfaser hatte 1990 etwa 1300 Mitarbeiter und war der größte Arbeitgeber der Stadt. In den folgenden Jahren wurde die Lage brenzlig. Kredite drohten wegzubrechen, ein Teil der Garnproduktion wurde ausgelagert. 2007 meldete Nylstar Insolvenz an.

„Ich wollte das Buch schreiben, weil es eine so intensive Zeit war. Außerdem wollte ich meine Erlebnisse ordnen. Ich kam mit Kollegen von damals zusammen. Außerdem bewältigt man dabei das Erlebte psychologisch“, sagt Hübner, der zwei Jahre recherchierte und schrieb. Er stimmte die Details mit einstigen Mitstreitern ab, auch mit seinem Vorgänger Albrodt und dem damaligen Betriebsratsvorsitzenden Karl-Heinz Reimers (85). Für beide ist die gemeinsame Nordfaser-Zeit eine Ära, die ihr Leben geprägt hat – und die sie nie vergessen werden. Das Buch ist (noch) nicht im Handel erhältlich. Kontakt zum Autoren per E-Mail: bertholdhuebner@kabelmail.de.

 

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