Neumünster : Nicht nur die Zeugnisnote zählt

Dr. Peter Rösner vom Wirtschaftsrat (von links) moderierte die Runde mit Karsten Blank (Hass + Hatje), Bildungsministerin Karin Prien, Jürgen Evers (Covestro), Neumünsters Wirtschaftsrat-Sektionssprecher Holger Bajorat und Oberst Hauke Hauschildt.
Dr. Peter Rösner vom Wirtschaftsrat (von links) moderierte die Runde mit Karsten Blank (Hass + Hatje), Bildungsministerin Karin Prien, Jürgen Evers (Covestro), Neumünsters Wirtschaftsrat-Sektionssprecher Holger Bajorat und Oberst Hauke Hauschildt.

Wirtschaftsrat der CDU diskutierte mit Bildungsministerin Karin Prien über das Niveau der Schulabgänger.

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01. März 2018, 09:00 Uhr

Neumünster | Viele Unternehmer beklagen, dass das Leistungsprinzip in der Schulbildung in den Hintergrund gerückt sei. Wie reagiert die Wirtschaft darauf und was können Absolventen heute noch? Zu diesen Fragen hatte die Sektion Neumünster des CDU-Wirtschaftsrats eine illustre Podiumsrunde ins Hotel Prisma eingeladen.

Erfahrene Personalleiter wie Karsten Blank (Hass + Hatje, Rellingen), Jürgen Evers (Covestro AG Brunsbüttel) oder Oberst Hauke Hauschildt vom Bundeswehr-Karrierecenter in Hannover präsentierten dazu Langzeitdaten aus Bewerbungstest und diskutierten mit Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien.

Die Bundeswehr werde gern als Prekariatsarmee dargestellt, doch das sei nicht der Fall, machte Hauschildt deutlich. Pro Jahr suche die Bundeswehr 25 000 junge Soldaten und 3000 zivile Mitarbeiter. Dafür seien 60 000 Bewerbungen für eine militärische und 37 000 für eine zivile Verwendung nötig. Das sei rund ein Zehntel eines Geburtsjahrgangs.

Noch gebe es da keine Probleme, die Bewerberzahlen stimmten. „Wir treffen auf eine Generation junger Menschen, die andere Lebensvorstellungen und eine bestimmte Erwartungshaltung an Arbeitgeber haben“, sagte Hauschildt. Beim Bildungsniveau sei keine Verschlechterung messbar, wohl aber bei den sogenannten Soft Skills, sagte Hauschildt und nannte Aspekte wie Gewissenhaftigkeit, Teamfähigkeit oder Verhaltensstabilität.

„Wir leben in einer anderen Zeit, bewerben uns inzwischen bei den Bewerbern“, sagte Jürgen Evers. Weniger Schulabgänger bedeuteten auch weniger Bewerber. Das Chemieunternehmen aus Brunsbüttel ködert seine Azubis deshalb auch schon mal mit einem Mietzuschuss und legt die Einstiegsschwelle durch Online-Bewerbungsverfahren bewusst niedrig. „Wir brauchen Leidenschaft. Defizite kann man ausgleichen.“

Bei Hass + Hatje (Hagebaumärkte) nehme man statt des Abiturienten lieber den Dreier-Kandidaten, der seine Karrierechance im Unternehmen suche, sagte Karsten Blank. Auf Kompetenzen wie Rechnen und Schreiben lege man bei den angehenden Kaufleuten aber schon sehr viel Wert. Hier gehen die Testergebnisse im langfristigen Trend zurück.

„Hier bekommen wir ein richtiges Problem“, räumte Bildungsministerin Karin Prien ein, mochte das Wort von der Bildungskatastrophe aber nicht als Szenario an die Wand malen: „Das Abendland geht nicht unter.“ Die Ministerin lobte das duale Ausbildungssystem als vorbildlich. Es sei eine Fehlsteuerung der Bildungspolitik, in den vergangenen Jahren einseitig auf das Abitur und Studium gesetzt zu haben.

Ehrlich diskutiert werden müsse auch die Frage: „Was kann und muss Schule leisten und was das Elternhaus?“ Die Lehrer seien durch die Inklusion und einen hohen Migrantenanteil mit großen Herausforderungen konfrontiert. Sie setze bei der Bildung auf einen möglichst frühen Ansatz, möglichst schon in der Kita. In der Schule sollten schon bestimmte Leistungsstandards erreicht werden – auch durch mehr Unterrichtsstunden.

Beim Stichwort Inklusion möchte sie zu einer Korrektur und flexibleren Lösungen kommen. „Wir müssen weg vom ideologischen Ansatz und schauen, was dem einzelnen Kind gerecht wird.“ Deshalb habe sie ein Moratorium beschlossen: „Wir machen kein Förderzentrum mehr zu.“

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