Friedrich-Ebert-Krankenhaus : Nicht diskutieren, gleich 112 anrufen

Alle Patienten im Überblick: In der Spezialabteilung   können Professor Hans-Christian Hansen und die Mitarbeiterin Anna-Freda Ulrichsen auf einem einzigen Bildschirm die wichtigsten Funktionen der Patienten in den Zimmern überwachen. Foto: Geil
Alle Patienten im Überblick: In der Spezialabteilung können Professor Hans-Christian Hansen und die Mitarbeiterin Anna-Freda Ulrichsen auf einem einzigen Bildschirm die wichtigsten Funktionen der Patienten in den Zimmern überwachen. Foto: Geil

Die Spezialabteilung für Schlaganfallpatienten im Friedrich-Ebert-Krankenhaus besteht zehn Jahre. Wie erkennt man den Anfall?

shz.de von
23. Mai 2013, 07:36 Uhr

Neumünster | Bis Anfang der 90er-Jahre galt unter Ärzten in Neumünster und anderswo die Regel: Ein Schlaganfall ist schicksalhaft. "Wir dachten, da kann man halt nicht viel tun", sagt Andreas Witt, leitender Oberarzt der Klinik für Neurologie und Psychiatrie im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK). Mittlerweile sieht es anders aus, und das ist auch den Spezialabteilungen für Schlaganfälle zu verdanken. Diese "Stroke Unit" (Schlaganfall-Einheit) wird im FEK gerade zehn Jahre alt.

Der Schlaganfall ist in Deutschland die dritthäufigste Todesursache und der häufigste Grund für bleibende Behinderungen, zumeist in Form von halbseitigen Lähmungen und Sprachstörungen. Er wird oft als "Herzinfarkt im Gehirn" oder Hirnschlag bezeichnet und wird durch Störungen der Blutversorgung des Gehirns verursacht.

Die Spezialeinheit im FEK ist so etwas wie eine kleine Intensivstation, besteht aus wenigen Räumen im sechsten Stock, ist aber vollgestopft mit moderner Technik und vor allem dem geballten Wissen der Medizin. "Früher gab es die Fachleute auch, aber sie waren auf verschiedene Stationen verstreut. Jetzt haben wir die Fachleute zusammen und einen strukturierten Prozess dahinter", sagt Witt. Drei Ärzte und 7,5 Pflegekräfte kümmern sich um maximal vier Patienten (demnächst fünf).

2003 war Neumünster erst die dritte Klinik in Schleswig-Holstein mit einer eigenen "Stroke Unit". Die sind heute Standard, weil sie sich bewährt haben. "Die Sterblichkeit der Patienten ist deutlich gesunken, ebenso die Zahl der bleibenden Schäden", sagt Prof. Hans-Christian Hansen, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Psychiatrie. Rund 5000 Menschen kamen bereits in die Spezialabteilung im FEK, also rund 500 im Jahr, also einer bis zwei am Tag.

Die alles entscheidende Voraussetzung für Hilfe ist die Schnelligkeit. "Innerhalb von 4,5 Stunden nach Beginn des Anfalls haben wir beste Möglichkeiten und können verstopfte Gefäße mit Medikamenten öffnen", sagt Oberarzt Christian Weißenborn. Es gehe buchstäblich um Minuten. Manchmal verschwinden Symptome wieder, nur um später umso stärker zurückzukommen. Die Ärzte raten: "Wenn Sie bei einem Menschen einen Verdacht auf Schlaganfall haben: Diskutieren Sie nicht mit ihm, ob er zum Arzt gehen sollte. 112 anrufen, Stichworte Schlaganfall und Notfall. Wir kommen!"

Wie erkennt man einen Schlaganfall? Symptome sind (u.a.):

halbseitige Lähmungen; eine Gesichtshälfte hängt herunter,

Sprachstörungen,

taubes Gefühl in Händen, Armen, Beinen, meist halbseitig,

akuter Schwindel, Sehstörungen (Doppelbilder),

aber: meist keine Schmerzen.

Was sollte man tun?

Den Menschen ansprechen, beobachten, ihm Fragen stellen. Wenn keine klaren Antworten kommen: ab ins Krankenhaus.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen