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Steuern : Neumünsters Umland ist klar im Vorteil

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Neumünster liegt bei Grund- und Gewerbesteuer jetzt auf dem Niveau von Flensburg / Umlandgemeinden haben deutlich niedrigere Sätze

Neumünster | Es war nicht freiwillig, aber es bringt auch gutes Geld in die Stadtkasse: Mit der zweiten Erhöhung der Steuersätze in vier Jahren hat Neumünster sich Anfang des Jahres fast an die Spitze in Schleswig-Holstein gesetzt.  Mit dem neuen Gewerbesteuersatz  von  410 Prozent (zuvor: 390 Prozent) und einem Hebesatz  von 480 Prozent (2014: 450 Prozent) bei der  Grundsteuer B für Wohngebäude  liegt Neumünster jetzt auf dem Niveau von Flensburg. Höher sind die Sätze nur in Kiel und Lübeck mit 430 Punkten bei der Gewerbesteuer und 500 Prozent bei der Grundsteuer.

Die Stadt handelte zuletzt nicht aus freien Stücken, denn die Anhebung der Steuersätze war uns vom Land vorgegeben worden (der Courier berichtete). „Das war eine Bedingung für die Konsolidierungshilfe des Landes“, sagte Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras. Er sieht Neumünster aber im Vergleich mit den anderen kreisfreien Städten noch ganz gut dastehen. „Trotzdem ist das eine sehr hohe Belastung für die Bürger und Betriebe“, räumte  Tauras ein.

2010 lag der Hebesatz bei der Gewerbesteuer in Neumünster noch bei 375 Prozent. Das macht seither eine Erhöhung von 9 Prozent. Bei der Grundsteuer, die  alle trifft, da sie vom Eigentümer auch auf Mieter umgelegt wird, beträgt die Steigerung binnen fünf Jahren sogar satte 28 Prozent. 2010 lag der Satz noch bei 375 Prozent.

Die Stadt erhofft sich durch die Erhöhung Mehreinnahmen von einer Million Euro bei der Grundsteuer und mindestens eine weitere Million bei der Gewerbesteuer.  Sie macht mit 33 Millionen Euro den größten Einnahmeposten im Haushalt 2015 aus. Bei der Grundsteuer B liegt der Ansatz bei 13 Millionen Euro. Die Grundsteuer A für landwirtschaftlich genutzte Flächen stieg zum Jahreswechsel zwar ebenfalls von 375 auf 390 Prozent, doch der Ertrag bleibt mit 57000 Euro bescheiden. Die Stadt hat auch weitere kommunale Steuern wie die Hundesteuer erhöht (der Courier berichtete) und erhebt seit 2013 eine Zweitwohnungssteuer.  Für eine seriöse Schätzung des Aufkommens  ist es noch zu früh, sagte der Fachdienstleiter Haushalt und Finanzen, Hans-Günter Szislo. Die Stadt kalkuliert hier erstmal vorsichtig mit 10000 Euro.

Das Oberzentrum Neumünster hält auch für die Bewohner der Nachbardörfer die teure Infrastruktur vor, sagt der OB.  „Das Umland hat bei Weitem nicht die Aufgaben wie wir. Wir haben mehr Arbeitslose und hohe Sozialausgaben. Das zwingt uns dazu, die Steuern zu erhöhen. Das Umland ist hier im Vorteil“, sagte Tauras.

Obwohl  auch dort mancherorts, etwa in Boostedt  oder Bornhöved,  an der Steuerschraube gedreht wurde, liegen die Steuersätze deutlich unter denen Neumünsters (siehe Info-Kasten). Besonders gering werden Unternehmen mit einem Satz von 290 Prozent in Wankendorf besteuert. Auch Aukrug, Wasbek oder Bönebüttel haben hier mit 310 Prozent günstige Sätze. Mit 250 Prozent ist Wankendorf auch top bei der Grundsteuer; Bönebüttel und Wasbek begnügen sich mit 260 Prozent.

Überblick der Hebesätze

Neumünster: Gewerbesteuer 410 Prozent (2014: 390 Prozent); Grundsteuer 480 Prozent (2014: 450 Prozent).

Aukrug: Gewerbesteuer 310 Prozent; Grundsteuer 300 Prozent.

Bönebüttel: Gewerbesteuer 310 Prozent; Grundsteuer  260 Prozent.

Boostedt: Gewerbesteuer 320 Prozent (2014: 295 Prozent); Grundsteuer 300 Prozent (2014: 275 Prozent).

Bordesholm: Gewerbesteuer 340 Prozent; Grundsteuer 315 Prozent (2014: 295 Prozent).

Großenaspe: Gewerbesteuer 350 Prozent; Grundsteuer 330 Prozent.

Nortorf: Gewerbesteuer 360 Prozent (2014: 350 Prozent); Grundsteuer 360 Prozent (2014: 330 Prozent).

Rickling: Gewerbesteuer 330 Prozent (2014: 325 Prozent); Grundsteuer 320 Prozent (2014: 290 Prozent).

Trappenkamp: Gewerbesteuer 360 Prozent; Grundsteuer 380 Prozent.

Wankendorf: Gewerbesteuer 290 Prozent, Grundsteuer 250  Prozent.

Wasbek: Gewerbesteuer 310 Prozent; Grundsteuer 260 Prozent.

Wattenbek: Gewerbesteuer 360 Prozent; Grundsteuer 340 Prozent.

 

 

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erstellt am 12.Aug.2015 | 08:15 Uhr

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