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Radikale Islamisten in SH : Neumünsters Salafisten sind weiter aktiv

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Botschaften im Netz und Missionierung in der Innenstadt: Der Verfassungsschutz beobachtet in Neumünster zurzeit 25 Personen im Zusammenhang mit Salafismus.

Neumünster | Das Gedankengut von radikalen Islamisten findet in Neumünster weiterhin Anhänger. Der Verfassungsschutz beobachtet in der Stadt zurzeit 25 Personen und spricht von einer „steigenden Tendenz“ bei den Salafisten. Seit einigen Wochen ist außerdem Harry M. (22), ein bekennender Anhänger des bewaffneten Dschihad, nach einem Gefängnisaufenthalt wieder nach Neumünster gezogen. Unter seinem religiösen Namen tauchen im Internet bereits wieder entsprechende Botschaften auf. Weitere Sympathisanten mit Bezug zu Neumünster agieren ebenfalls auf entsprechenden Seiten.

Im Frühjahr 2012 war der einstige Pinneberger Harry M. als Terrorhelfer vom Oberlandesgericht Schleswig zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Die Richter kamen damals zu der Überzeugung, dass Harry M. zwei Terrorvereinigungen im Ausland unterstützt hatte. Der zum Islam konvertierte Deutsche hatte grausame Hinrichtungsvideos aus dem Irak ins Internet gestellt. Anfang 2011 bedrohte er außerdem den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Pinneberg. Kaum ist er wieder in Freiheit, scheint der junge Islamist erneut Botschaften im Internet zu verbreiten. Und die legen nahe, dass er seine Überzeugungen in der Haft nicht geändert hat.

Im sozialen Netzwerk Facebook taucht zum Beispiel unter dem religiösen Alias-Namen des Mannes eine Seite auf, auf der sein Umzug nach Neumünster auf Ende September datiert ist. Das erste Profilbild zeigte einen vermummten Kämpfer mit Maschinengewehr im Gegenlicht. Mitte Oktober folgte auf derselben Seite ein sogenannter „Aufruf zum Tauhid“ (Tauhid: Glaube an die Einheit Gottes). Unter dem Label „Tauhid Germany“ wird seit geraumer Zeit radikal-islamistische Propaganda im Internet verbreitet. Viele sogenannte Tauhid-Moscheen gelten bei Experten als Anlaufstellen für Salafisten. Außerdem wird auf der Seite, die unter dem religiösen Namen von Harry M. angemeldet ist, der Facebook-Auftritt eines Gotteskriegers aus dem Irak geteilt.

Doch Harry M. ist nicht der einzige Neumünsteraner, der im Internet seine Sympathien für Islamisten kundtut. So bittet zum Beispiel auf einer Seite, die die Termine des radikalen Extremisten Pierre Vogel aus Köln bekannt gibt, ein Nutzer dringend um eine Veranstaltung des radikalen Predigers im Norden. „Neumünster bitte, oder Kiel“, lässt er sein Vorbild wissen.

Joachim Albrecht vom Verfassungsschutz bestätigt auf Anfrage die radikalen Äußerungen von Neumünsteranern im Internet. „Sympathiebekundungen zum Islamischen Staat durch entsprechende Symbolik in sozialen Netzwerken im Internet wurden festgestellt“, sagt er.

Als „salafistisch geprägte Anlaufstelle“ gilt in Neumünster laut Verfassungsschutz nach wie vor die Darul-Arqam-Moschee an der Christianstraße. Weil dort im Gegensatz zu den großen türkischen Moscheen arabisch gesprochen wird, zieht es offenbar oft Flüchtlinge dorthin. Sie hoffen, sich dort verständigen zu können und wundern sich dann zum Teil über die Botschaften, die verbreitet werden.

Auch wenn es in den vergangenen zwei Jahren laut Verfassungsschutz nur „einige wenige Koranverteilungen in der Neumünsteraner Innenstadt (Großflecken)“ gegeben hat, gibt es offenbar Missionierung. So wurden immer wieder Menschen im Zentrum direkt von Islamisten angesprochen. Von radikalen religiösen Botschaften an Schulen weiß die Stadt als Schulträger aber derzeit nichts. „Aber wir haben es im Blick“, heißt es.

Menschenverachtendes Weltbild

Sie agieren gern in der Anonymität des Internets. Dort zeigen sie ihr wahres Gesicht, bekennen sich zu radikalen Predigern oder präsentieren ihre schwer bewaffneten Gotteskrieger. Wer nicht im Netz über diese Botschaften stolpert, dem fallen die Salafisten im Alltag oft kaum auf. Dennoch ist Vorsicht geboten. Denn ihre Adressaten finden sie durchaus – auch in Neumünster. Und ihr Weltbild ist gefährlich menschenverachtend. Andersgläubigen wird darin jede Daseinsberechtigung abgesprochen. Ohne Gnade.

 

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erstellt am 04.Nov.2014 | 05:00 Uhr

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