zur Navigation springen

Landes- und Bundesvergleich : Neumünsters Krankenstand liegt über dem Durchschnitt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Eine Studie belegt: Neumünster bleibt bei den Krankschreibungen auf einem Spitzenplatz. Rücken- und Wirbelsäulenleiden sind die häufigste Ursache.

Neumünster | Die Stadt hat im Landes- und Bundesvergleich einen nach wie vor überdurchschnittlich hohen Krankenstand. Das ergibt sich aus dem jüngsten Gesundheitsreport der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK). Demnach ging die Zahl der Ausfalltage für krankgeschriebene Beschäftigte in der Stadt im vergangenen Jahr zwar deutlich zurück, aber mit 3,9 Prozent liegt der Krankenstand in Neumünster immer noch über dem Bundes- und Landesdurchschnitt von 3,8 Prozent.

Konkret: An jedem Tag des vergangenen Jahres waren von 1000 DAK-versicherten Arbeitnehmern in der Stadt 39 krankgeschrieben. Zum Vergleich: Im Kreis Stormarn waren es nur 35, in Pinneberg 36 in Nordfriesland 37. Allerdings: Im Kreis Segeberg liegt die Quote bei 41; Lübeck liegt mit 39 Kranken mit Neumünster auf einer Linie.

Für den jährlich erstellten Gesundheitsreport wertete die Krankenkasse die Fehlzeiten (Krankschreibungen) von rund 270 000 Versicherten in Schleswig-Holstein aus. In Neumünster und Umland gibt es etwa 13 500 DAK-Versicherte.

Torsten Matzen, Leiter der Kasse in Neumünster, kann den Zahlen für Neumünster dennoch etwas Gutes abgewinnen. Der Grund: Noch vor drei Jahren wies der Report für Neumünster die mit Abstand schlechteste Quote unter allen Kreisen und kreisfreien Städten in Schleswig-Holstein aus. Inzwischen hat Neumünster die rote Laterne an den Kreis Segeberg (Krankenstand 4,1 Prozent) abgegeben und sich kontinuierlich auf einen Platz im Mittelfeld vorgearbeitet. „Der kontinuierlich sinkende Krankenstand in der Region ist insgesamt ein positives Signal“, sagt DAK-Chef Matzen. Damit sich die gute Entwicklung fortsetzt, seien jetzt Arbeitnehmer wie Arbeitgeber gleichermaßen gefragt. Beide Seiten könnten zu einem gesunden Arbeitsumfeld beitragen, sagte Matzen. Die Krankenkasse biete dabei Beratung und Unterstützung etwa in den Bereichen Ernährung, Entspannung und Bewegung an.

Die Hilfsangebote der Kasse kommen nicht von ungefähr, denn auch den oft engen Zusammenhang zwischen Arbeit und Krankheit weist die Studie nach: Erstmals wurden dabei auch die Auswirkungen verschwimmender Grenzen zwischen Privat- und Arbeitsleben mit untersucht. So leidet inzwischen etwa jeder vierte Beschäftigte, der jederzeit per Handy oder Mail erreichbar ist, an einer Depression. Allerdings gaben in der landesweiten Befragung nur 26 Prozent der DAK-Mitglieder an, nach Feierabend noch Mails von der Firma zu bekommen. Fazit Matzen: „Diese kleine Gruppe bezahlt den Wegfall der Grenze zwischen Beruf und Privatleben aber mit einem hohen Preis.“

Häufigste Ursache für die Ausfallzeiten waren in Neumünster auch im vergangenen Jahr die Leiden an Rücken und Wirbelsäule: Jede vierte Krankschreibung fiel in diese Kategorie. 13,2 Prozent waren mit Störungen des Atmungssystems (Erkältungen, Bronchitis) begründet; in jedem achten Fall (12,5 Prozent) hatte der Arbeitsausfall eine psychische Krankheit als Ursache. Sie war damit fast genauso oft Auslöser für eine Arbeitsunfähigkeit wie eine Verletzung (12,4 Prozent).

Warum es in Neumünster mehr Fehlzeiten als im Landes- oder Bundesschnitt gibt, kann sich auch Fachmann Matzen nicht erklären. Möglicherweise hänge das mit der Sozialstruktur der Stadt zusammen, mutmaßt der Fachmann. Erfahrungen zeigten regelmäßig, dass die Krankenraten in unteren Einkommensschichten höher seien als in oberen Einkommensschichten. Stichhaltige Belege dafür gebe es aber nicht.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 09.Okt.2013 | 06:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen