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Verkehrsversuch : Neumünsters Händler fordern: Reißleine ziehen

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Eine neue Interessengemeinschaft in Neumünster fürchtet um das Weihnachtsgeschäft. Sie fordert den Rat auf, den Verkehrsversuch in der Stadt auszusetzen.

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erstellt am 18.Okt.2013 | 07:00 Uhr

Neumünster | Eine neu gegründete „Interessengemeinschaft des Inhaber geführten Einzelhandels in Neumünster“ appelliert an die Ratsversammlung, den Verkehrsversuch in der Innenstadt umgehend zu beenden. Wegen der Dringlichkeit solle die Politik dazu eine außerordentliche Ratssitzung einberufen.

Das Weihnachtsgeschäft drohe wegzubrechen. „Der Verkehrsversuch Großflecken bedroht zahlreiche Einzelhändler in ihrer wirtschaftlichen Existenz“, heißt es in der Resolution. Das gefährde auch die Arbeitsplätze der Mitarbeiter. 15 Einzelhändler hatten den Weg zur Gründungsversammlung am Mittwochabend ins Hansahaus gefunden. Für eine Unterstützung der Resolution will man bis heute aber noch deutlich mehr Mitstreiter gewinnen.

„Es geht um ein Netzwerk, hier will niemand dem Einzelhandelsverband Konkurrenz machen“, sagte Christian Busch. Der Sprecher der „Bürgerinitiative Großflecken“ und entschiedene Kritiker eines ECE-Einkaufszentrums sah die BI ein wenig als „Geburtshelfer“ der neuen Händler-Gemeinschaft und übernahm dort gern die Koordinatorenrolle. Die meisten der Geschäftsleute in der neuen lockeren Vereinigung sind nicht im Einzelhandelsverband organisiert, ergab eine Umfrage.

Der Rücklauf eines eigenen Fragebogens war zwar laut Busch „begrenzt, das Ergebnis aber niederschmetternd“. Händler bezifferten ihre Umsatzverluste seit Start des Verkehrsversuchs auf 20 bis 50 Prozent. „Der Wochenmarkt hat 30 Prozent Umsatz am Dienstag und 20 Prozent am Freitag verloren. Vor allem die Kunden aus dem Umland bleiben aus“, sagte der Sprecher der etwa 60 Wochenmarkthändler, Stefan Wegener. „Viele Auswärtige machen gleich kehrt, wenn sie die Barrieren und Verbotsschilder sehen“, bestätigte Matthias Behrendt (Messer Wagner). Der Neumünsteraner sei „kein notorischer Verkehrssünder. Aber man will ihn umerziehen. Das funktioniert nicht“, sagte Dirk Dade (Sack & Pack). Stefan Wegener sieht den ganzen Verkehrsversuch „auf Sand gebaut. Wir sind die Versuchskaninchen der Stadt – und das mitten im Weihnachtsgeschäft.“

Einig waren sich alle Geschäftsleute, dass die Sperrung des Großfleckens gleichzeitig mit den vielen Baustellen an wichtigen Ausfallstraßen die ganze Innenstadt lahm legen. „Man muss der Stadt klarmachen, dass unter diesen Voraussetzungen der Verkehrsversuch gar nicht zu bewerten ist“, sagte Evelyn Müller (Horn Kochen & Wohnen). Sie plädierte dafür, „sofort die Reißleine zu ziehen, sonst ist das Weihnachtsgeschäft vorbei“. Ähnlich äußerte sich Dirk Dade: „Die Laufkundschaft und die Spontankäufe sind dramatisch weggebrochen. Wir müssen ganz dringend was tun, sonst sind wir als Händler existenziell bedroht.“

Eine Forderung der Resolution ist auch, „das auf dem Rücken von Bürgern und Einzelhandel ausgetragene Spiel, die Verantwortung zwischen Verwaltung und Ratsversammlung hin und her zu schieben“, unterlassen wird. Politik und Verwaltung hätten im Vorfeld des Verkehrsversuchs zugesagt, die Belange des Einzelhandels zu berücksichtigen, machten aber keine Anstalten, diese Verpflichtung einzuhalten, kritisierte Busch.

 

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