zur Navigation springen
Holsteinischer Courier

19. Oktober 2017 | 13:45 Uhr

Feuer : Neumünsters Drehleitern reichen aus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Einen Hochhausbrand wie in London schließt die Berufsfeuerwehr in Neumünster aus – weil die Vorschriften strenger sind.

shz.de von
erstellt am 16.Jun.2017 | 08:00 Uhr

Neumünster | Nach dem schrecklichen Feuer in einem 24-stöckigen Hochhaus in London sind auch viele Bewohner von höheren Häusern in Neumünster verunsichert und fragen sich, ob eine derartige Brandkatastrophe auch hier möglich wäre. Die Berufsfeuerwehr gibt Entwarnung: „Die Brandschutzvorschriften in Deutschland sind sehr streng. Fassaden an Gebäuden über sieben Meter Bodenhöhe müssen schwer entflammbar sein, dürfen also nicht von sich aus brennen“, sagt Wilhelm Duda, Chef der Arbeitsgruppe vorbeugender Brand- und Gefahrenabwehr.

Hinzu kommt: Es gibt nur ein bewohntes Hochhaus in der Stadt – an den Störwiesen (siehe Infokasten). In Deutschland definieren die Landesbauordnungen ein Gebäude dann als Hochhaus, wenn der Fußboden mindestens eines (Wohn)Raumes mehr als 22 Meter über dem Gelände liegt, da Feuerwehrdrehleitern nur eine Rettungshöhe von 23 Metern erfüllen können. Für höhere Gebäude sind zusätzliche Brandschutzvorkehrungen zu treffen. So gibt es im Gebäude Störwiesen zum Beispiel ein abgetrenntes Fluchttreppenhaus. „Wir kommen mit unserer Drehleiter aber normalerweise an jede Wohnung an höheren Häusern in der Stadt ran“, sagt Duda. Er rät Bewohnern daher bei einem Brand dringend dazu, in der Wohnung zu bleiben, die Haustür fest zu schließen und sich am Fenster bemerkbar zu machen. Eine Drehleiter ist im Löschzug der Berufsfeuerwehr immer sofort verfügbar, eine zweite steht auf dem Gelände des Gefahrenabwehrzentrums. Auch die Wehren in Bordesholm und Nortorf haben entsprechende Fahrzeuge.

Weitere Bau-Sicherheitsvorschriften sollen das Ausbreiten von Feuer verhindern. So müssen Wände zwischen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern „feuerhemmend“ sein: Sie müssen einer Temperatur von 1000 Grad (Vollbrand) mindestens 30 Minuten standhalten. Wohnungseingangstüren zu Treppenhäusern müssen mit Gummidichtungen versehen sein, damit gefährlicher Rauch nicht eindringen kann. „Das sollten Mieter und Hauseigentümer auch regelmäßig überprüfen“, sagt Duda. Und: Seit Anfang 2010 sind Rauchmelder in allen Schlafräumen, Gästezimmern, Kinderzimmern und Fluren Pflicht. Dass die Melder Leben retten können, erleben die Berufsfeuerwehrleute quasi täglich. „Bei jedem zweiten Einsatz, bei dem Rauchmelder losgingen, finden wir tatsächlich einen Entstehungsbrand“, sagt Duda. Und: Da Neumünster eine Berufsfeuerwehr hat, ist schnelle Hilfe gesichert. Innerhalb von 90 Sekunden nach dem Eingang des Notrufs sind die Brandbekämpfer unterwegs, in maximal zehn Minuten vor Ort im Einsatz.

Risiken aber bestehen immer. So werden Stellflächen für Feuerwehrfahrzeuge an Mehrfamilienhäusern häufig zugeparkt oder haben keinen festen Untergrund mehr. „Hauseigentümer sind verpflichtet, das zu kontrollieren“, mahnt Duda. Schwere Brände in Neumünster, bei denen in Mehrfamilienhäusern ganze Wohnungen zerstört wurden, sind ihm in den vergangenen 20 Jahren nicht bekannt. Seite 2

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen