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Holsteinischer Courier

18. Dezember 2017 | 00:56 Uhr

Schulden : Neumünsteraner sind Spitzenreiter

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Schuldnerberatung der Diakonie meldet weiter steigende Fallzahlen. Das neue Insolvenzrecht bringt längst nicht für alle Schuldner neue Möglichkeiten ins Spiel.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2014 | 06:15 Uhr

Neumünster | Die Zahlen sind alarmierend: 16,6 Prozent aller Neumünsteraner waren 2013 überschuldet, konnten ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Damit ist Neumünster trauriger Spitzenreiter in Schleswig-Holstein. Die Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie Altholstein warnt jetzt vor falschen Hoffnungen im Zusammenhang mit der Reform des Insolvenzrechts.

Für die Restschuldbefreiung braucht man auch nach der Reform einen langen Atem. Ein vorzeitiger Ausstieg aus dem Insolvenzverfahren kann den Grundstein für neue Schulden legen. „In drei bis sechs Monaten wieder schuldenfrei“ – für diese Versprechungen von gewerblichen Schuldnerberatungen hat Sibylle Schwenk, Leiterin der Schuldnerberatung in Neumünster, darum wenig Verständnis: „Für die meisten Schuldner ist das eine unrealistische Perspektive.“

Zum Hintergrund: Am 1. Juli trat eine Reform des Insolvenzrechts in Kraft. Die eröffnet überschuldeten Menschen die Möglichkeit, das gerichtliche Insolvenzverfahren unter bestimmten Bedingungen abzukürzen. Statt nach sechs Jahren von den Schulden befreit zu werden, kann schon nach drei Jahren eine Restschuldbefreiung erfolgen. Voraussetzung dafür ist aber, dass 35 Prozent der Forderungen zurückgezahlt wurden. „Zu den ursprünglichen Ansprüchen kommen aber noch diverse Zusatzkosten. Anwalts- und Gerichtskosten müssen ebenfalls komplett gezahlt werden, das kann leicht in die Tausende gehen“, warnt Sibylle Schwenk.

Diese Lösung komme nur für Schuldner in Frage, die über ein hohes regelmäßiges Einkommen oder Vermögen verfügten, um Vergleiche mit den Gläubigern schließen zu können. Wer ohne ausreichende Rücklagen vorzeitig aussteigt, muss im schlechtesten Fall das gesamte Verfahren neu beantragen. „Damit sind viele Jahre der Vorbereitung für die Katz“, warnt sie.

Die generell steigende Verschuldung macht sich auch bei der Beratungsstelle bemerkbar: Bis Mitte August 2014 hatten sich bereits 209 Neumünsteraner neu für die Insolvenzberatung angemeldet, im selben Vorjahreszeitraum waren es 174. Mit den „Altfällen“ sind es aktuell 478 laufende Beratungen. Bis Mitte August konnte die Beratungsstelle in 29 Fällen eine außergerichtliche Einigung erreichen, in 89 Fällen wurde die private Insolvenz bei Gericht beantragt.

In der offenen Sprechstunde der Schuldnerberatung dienstags von 10 bis 12 Uhr und 15 bis 17 Uhr können Ratsuchende ihre Fragen klären. Dazu ist allerdings eine Anmeldung unter der Telefonnummer 25 27 10 10 notwendig.

Der nächste Informationsabend findet am Dienstag, 11. November, um 18 Uhr in der Familienbildungsstätte an der Christianstraße 8-10 statt. Ein Kontakt per Mail ist möglich unter schuldnerberatung@diakonie-altholstein.de.

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