Charlie Hebdo : Neumünsteraner gingen leer aus

Eine Mitarbeiterin bei Hugendubel sortiert Zeitschriften in einem Regal. „Charlie Hebdo“-Hefte waren nicht dabei. Das Geschäft hatte zwar vorsorglich bestellt, aber keine Exemplare der Satire-Zeitschrift erhalten.
Foto:
1 von 2
Eine Mitarbeiterin bei Hugendubel sortiert Zeitschriften in einem Regal. „Charlie Hebdo“-Hefte waren nicht dabei. Das Geschäft hatte zwar vorsorglich bestellt, aber keine Exemplare der Satire-Zeitschrift erhalten.

Buch- und Zeitschriftenhandel in der Stadt bekam keine Exemplare der heißbegehrten Satire-Zeitschrift ab.

shz.de von
19. Januar 2015, 07:00 Uhr

Neumünster | Große Enttäuschung in Neumünster: In der Stadt ging Sonnabendmorgen offenbar kein einziges Exemplar der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ über den Ladentisch. Buch- und Zeitschriftenhändler waren trotz diverser Bestellungen leer ausgegangen, als jetzt zehn Tage nach dem Terroranschlag auf die Redaktion der Zeitschrift in Paris die französische Ausgabe auf den deutschen Markt kam.

Aufgrund der weltweit enorm hohen Nachfrage wurde der gesamte deutsche Markt letztendlich nur mit 5000 Exemplaren bedient. Aus einem Schreiben des Kie-ler Pressevertriebs Carlsen & Lamich an seine Geschäftspartner geht hervor, dass ganz Schleswig-Holstein (Vertriebsgebiet mit 3500 Einzelhändlern) mit gerade einmal 75 Exemplaren versorgt wurde. „Aus diversen Anfragen hätten wir ein Vielfaches benötigt. Leider ist der für diesen Titel zuständige Importeur nicht in der Lage, uns weitere Exemplare zu liefern“, heißt es in dem Schreiben.

Auch in Neumünster war das Interesse an „Charlie Hebdo“ groß. „Wir hatten viele telefonische Anfragen, mussten unsere Kunden aber leider vertrösten. Selbst wenn wir Zeitschriften bekommen hätten, wären lediglich fünf Exemplare für uns vorgemerkt gewesen“, sagte Kim Sarah Kriedemann von Hugendubel am Großflecken. Auch in der Buchhandlung Lübbert an der Mühlenbrücke blieb das Fach für „Charlie Hebdo“ frei. „Wir hatten viele Nachfragen und vier Vorbestellungen“, verriet Maike Abel aus der Buchhandlung.

Das Interesse auf die bislang nicht übersetzte Ausgabe 1178 der französischen Satirezeitschrift ist groß – nicht zuletzt, weil viele Kapital daraus schlagen wollen. Im Internet-Auktionshaus Ebay kursierten gestern Offerten von 35 bis 2222 Euro und mehr. In der vergangenen Woche wollte ein Anbieter sogar 100  000 Euro für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift haben, die hierzulande regulär 4 Euro kostet.

Die begehrte „Charlie Hebdo“-Ausgabe verbreitete in der Stadt aber zum Teil auch ein ungutes Gefühl. Der Titel „Tout est pardonné“ (Alles ist vergeben) mit einer Karikatur des weinenden Propheten Mohammed, der ein „Je suis Charlie“-Schild (Ich bin Charlie) in Händen hält, provoziert im Zeitschriftenregal möglicherweise die falschen Leute, befürchteten manche Kioskbesitzer. „Wer weiß, wen man sich damit ins Geschäft holt“, sagte ein Geschäftsinhaber, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung sehen will.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen