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Auswertung : Neumünsteraner arbeiten auch im Rentenalter

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In den Betrieben in der Stadt sind immer mehr Menschen über 65 tätig.

von
erstellt am 10.Feb.2016 | 15:00 Uhr

Neumünster | Mit Mitte 60 in den Ruhestand zu gehen, ist für viele Neumünsteraner offenbar keine Option. In den Betrieben sind immer mehr ältere Mitarbeiter im Einsatz. Neben dem Fachkräftemangel sind häufig auch finanzielle Ursachen der Grund.

Die Zahl der Erwerbstätigen in der Gruppe der über 65-Jährigen ist in Neumünster innerhalb eines Jahres um 11,4 Prozent gestiegen. Ende Juni 2014 waren 298 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte älter als 65 Jahre. Ein Jahr später, Ende Juni 2015, waren es bereits 332 – ein Anstieg um 11,4 Prozent. Damit ist die Stadt in guter Gesellschaft: Im gesamten Bundesland stieg im gleichen Zeitraum die Anzahl von älteren Arbeitnehmern um 14,5 Prozent. Das ergab eine Auswertung der Krankenkasse IKK-Classic, die sich an der aktuellen Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit orientiert.

Andrea Julke, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit an der Wittorfer Straße, bestätigte die Zahlen und lieferte auch gleich eine Erklärung für den Anstieg: „Die Tendenz ist, dass immer mehr ältere Arbeitnehmer in den Betrieben bleiben. Es ist nicht so einfach, Fachkräfte zu finden. Wenn die Mitarbeiter gut sind, werden die Unternehmen versuchen, sie zu halten.“

Ähnlich sieht es auch Dr. Martina Tambert-Thomas, Geschäftsführerin vom Unternehmensverband Mittelholstein in Neumünster: Im April vergangenen Jahres hatte der Verband seine Unternehmen zur abschlagsfreien Rente mit 63 befragt. Das Ergebnis fiel deutlich aus: Fast die Hälfte der betroffenen Betriebe hatte Probleme, die Stelle des ausgeschiedenen Mitarbeiters wieder neu zu besetzen. Die Frage, ob sie den entsprechenden Mitarbeiter gerne noch länger beschäftigt hätten, beantworteten 85 Prozent der Unternehmen mit Ja. „Es zeigt sich, dass die Erfahrung und das Fachwissen der älteren Arbeitnehmer immer wichtiger werden, wenn der Nachwuchs fehlt“, sagt Martina Tambert-Thomas.

Doch es ist nicht nur der Fachkräftemangel, der viele zur Weiterarbeit treibt. „Es gibt natürlich diejenigen, die weitermachen, weil sie Spaß daran haben. Aber wir haben in unseren Beratungen auch immer wieder Menschen über 65, bei denen die Rente nicht so hoch ist, dass sie ihren Lebensstandard davon bestreiten können“, sagt Christian Schultz, Referent für Sozialpolitik bei der Landesgeschäftsstelle des Sozialverbands. In solchen Fällen besteht ein gesetzlicher Anspruch auf Grundsicherung. „Dieses Angebot nehmen jedoch bundesweit nur rund 50 Prozent der Betroffenen in Anspruch – teilweise aus Scham, teilweise auch, weil sie von dieser Möglichkeit gar nichts wissen“, sagt Schultz.

Häufiger krank sind ältere Arbeitnehmer laut Angaben der IKK-Classic nicht – allerdings steige bei ihnen die Dauer der Fehltage. „Im Jahr 2014 konnten berufstätige Mitglieder unserer Krankenkasse über 59 Jahren durchschnittlich wegen 1,38 Krankschreibungen jeweils 21,9 Tage nicht am Arbeitsplatz erscheinen. Bei den unter 20-Jährigen waren es im Schnitt 2,53 Arbeitsunfähigkeiten, die je 5,3 Tage andauerten“, sagt Pressesprecher Peter Rupprecht.

Auch die Ursachen für Krankschreibungen unterscheiden sich je nach Altersgruppe. „Bei Arbeitnehmern ab 60 Jahren verursachen Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems über ein Drittel der Arbeitsunfähigkeitstage. Junge Menschen fallen hauptsächlich wegen Folgen von Verletzungen und Vergiftungen aus. Ein Viertel der Arbeitsunfähigkeitstage gehen bei den unter 20-Jährigen auf dieses Konto“, so Rupprecht.

Um Fehlzeiten zu vermeiden, bieten nicht nur die Krankenkassen diverse Möglichkeiten zur Gesundheitsförderung an. Auch Unternehmen reagieren, in dem sie sich stärker für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter engagieren. So bieten beispielsweise die Stadtwerke in Zusammenarbeit mit dem SV Tungendorf Sportkurse für ihre Beschäftigten an.

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