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Neue Betrugsmasche : Neumünster wird von Falschgold überschwemmt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Betrüger bringen falsche Goldketten, Ringe oder Münzen mit dreisten Tricks in Umlauf. Die Opfer gehen aus Scham oft nicht zur Polizei.

Neumünster | Eine Welle von Falschgold überschwemmt zurzeit Neumünster. Allein 30 Ringe, Ketten, Münzen oder Armbänder landeten an den vergangenen vier Werktagen beim Goldankauf „Goldjungs“ auf dem Großflecken. Zurück blieben stets enttäuschte Kunden, die sich erst über einen vermeintlich günstigen Schmuckkauf gefreut hatten und nach dem geschulten Blick der Experten feststellen mussten, dass sie betrogen wurden.

„Das ist hier alles gestempeltes Altmetall“, sagt Kay Albrecht, Organisationsleiter der Firma, und zeigt auf schimmernden Schmuck und Münzen auf dem Tresen des Ladens. Dann fischt er einen dicken Ring aus dem Sammelsurium und meint: „Der Materialwert von diesem Ring unterschreitet einen Cent.“ Mal ziert ein 750er-Stempel , mal ein 585er-Stempel das nahezu wertlose Exemplar. Ein falsches goldenes Armband ist mit einem Stempel versehen, der eigentlich auf Uhren gehört. „Die Stempel gibt es für rund zehn Euro im Internet“, weiß Kay Albrecht. Oft werden die vermeintlich teuren Stücke noch mit einem Etui versehen, damit sie wertvoll aussehen. Manche Stücke werden nur poliert. „Dann hat man schnell Messinggeruch an den Händen“, sagt der Experte und reibt an einem Ring, um den Effekt zu demonstrieren. Besonders raffinierte Betrüger vergolden das Material deshalb noch, um den verräterischen Duft zu verbergen. „Das ist dennoch absolut wertlos“, so Albrecht.

Wo die betrogenen Kunden das falsche Gold erhalten, bleibt oft im Dunkeln. „Den Leuten ist es in der Regel peinlich, dass sie so übers Ohr gehauen wurden“, weiß Kay Albrecht. Falls sie doch was erzählen, sind es immer dieselben Geschichten: So sprechen Fremde gern auf Raststätten andere Autofahrer an, bitten um 50 Euro für eine Tankfüllung. Als Gegenleistung bieten sie den vermeintlichen Familienschmuck an. Und der stellt sich dann später beim Verkauf als wertloses Altmetall heraus. „Wir nennen diese Stücke in der Branche ‚Autobahngold‘“, sagt Albrecht. Manchmal zieht auch am Bahnhof der Trick mit dem Restbetrag, der für die Zugkarte dringend benötigt wird.

Auch bei Goldankauf Lüdtke am Mühlenhof hat sich die Zahl des angebotenen Falschgoldes in den vergangenen 14 Tagen „leicht erhöht“, so Angelika Lüdtke. Im erster Linie fielen Ringe und Ketten durchs Raster. „Das kommt immer wieder vor. Der Fachmann erkennt die Fälschung aber leicht“, sagt sie.

Zurzeit scheint von der Falschgold-Welle ausschließlich der Raum Neumünster betroffen zu sein. Dennoch zieht Kay Albrecht mit dem gefälschten Schmuck durch seine Filialen im Land und informiert die Kollegen.

Polizeisprecher Rainer Wetzel bestätigt, dass momentan in Neumünster vermehrt Falschgold auftaucht. So haben Goldankäufer sich bereits bei den Ermittlern gemeldet und vor den Machenschaften gewarnt, die meist von Betrügerbanden ausgehen. Allerdings liegen der Polizei keine Anzeigen vor. „Die Opfer schämen sich. Aber ohne Anzeige können wir nicht tätig werden“, so Wetzel. Er rät deshalb dringend, die Polizei zu informieren.

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erstellt am 07.Okt.2014 | 05:00 Uhr

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