Streit um Eigentumsrechte : Neumünster: Wem gehört Hündin „Hanna“?

Erika Vorbeck-Krutten knuddelt ihre Hündin.
Erika Vorbeck-Krutten knuddelt ihre Hündin.

Wirbel um die kleine „Hanna“: Der Streit um unklare Eigentumsrechte an dem jungen Hund sorgt für einen Polizei-Einsatz.

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20. Januar 2018, 16:19 Uhr

Neumünster | Nervös steht Erika Vorbeck-Krutten am Fenster und starrt auf die Straße vor ihrem Haus. Bei jedem Scheinwerfer zuckt sie zusammen. „Das Fellnasentaxi kommt gleich. Sie wollen Hanna holen“, sagt die 52-Jährige. Sie ist den Tränen nahe. „Hanna“ ist ihr Hund – das dachte sie zumindest. Eine kleine Hündin, die aus einer rumänischen Tötungseinrichtung gerettet wurde. Eigentlich sollte ihre Odyssee ein Ende haben, doch die „Hundehilfe Rheinland“, die die acht Monate alte Hündin vermittelt hatte, will sie jetzt zurück. Die Fahrerin des „Fellnasentaxis“ hat sich ebenfalls in „Hanna“ verliebt, sich das Okay der Hundehilfe eingeholt und will sie nun abholen. „Aber das lasse ich nicht zu“, sagt Erika Vorbeck-Krutten. Dann hält ein Wagen vor ihrer Tür. Das Taxi ist da.

Die Fahrerin zückt den Vertrag mit der Hundehilfe. Diesen hat sie hinter dem Rücken der Neumünsteraner Familie durchgesetzt. Auf Anraten ihres Anwaltes, gibt die 52-Jährige den Hund nicht heraus. Die Debatte wird hitzig und die Fahrerin verlässt schimpfend die Wohnung. Kurze Zeit später klingelt es erneut. Doch diesmal stehen zwei Polizisten vor der Tür. Auch für die Beamten ist die Situation undurchsichtig. Sie lassen den Hund bei der Familie, bis alles geklärt ist. Die kleine Hündin ist mit der Situation sichtlich überfordert und verkriecht sich. Wie konnte es so weit kommen?

Noch vor Weihnachten kam „Hanna“ in Neumünster an. Zuvor gab es regelmäßigen Austausch mit der Hundehilfe, die die Tiere aus Rumänien rettet. Die Kommunikation fand ausschließlich über soziale Medien statt. Anhand von Fotos sollte das Paar einen Hund aussuchen. „Wir wollten nur einen Hund vor der Hinrichtung bewahren. Deshalb haben wir uns da gemeldet“, erinnert sich Ehemann Gerd Krutten.

Es schien, als würde das Märchen seinen Gang gehen. Doch plötzlich der Schock: Die Hundehilfe will „Hanna“ zurück. Sie beruft sich darauf, dass die Familie nur als „Pflegestelle“ vorgesehen war. Eine solche soll den Hund aufnehmen, ihn an das Zusammenleben mit Menschen gewöhnen und erziehen. Es besteht zwar die Möglichkeit, den Hund zu übernehmen, doch genauso kann es sein, dass der Hund zu einer anderen Familie kommt.

„Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir sie behalten wollen“, betont Vorbeck-Krutten. Das Problem an der Geschichte: Es gab keinen Vertrag. „Wir haben andauernd nachgefragt, wo die Unterlagen bleiben, aber es kam nichts“, so Gerd Krutten. Angeblich sei der Pflegestellen-Vertrag aber zwei Mal per Post an sie gesendet worden. „Da die Papiere nicht ankamen, habe ich denen eine Mail mit dem Vertrag geschickt“, sagt Marika Kronenberg-Heider, die Vorsitzende des Vereins. Das war einen Monat nach der Ankunft von „Hanna“ in Neumünster. Doch nur zwei Stunden später schrieb die Vorsitzende, dass das „Fellnasentaxi“ auf dem Weg sei. Für die Familie brach eine Welt zusammen.

„Wir hatten fast jeden Tag Kontakt mit der Hundehilfe und haben auch Fotos geschickt. Auf einmal heißt es, wir hätten uns nicht genügend gemeldet“, so die 52-Jährige. Auf sh:z-Nachfrage bei der „Hundehilfe Rheinland“ wurde der Vorwurf bestätigt. „Die gesamte Kommunikation ist mangelhaft. Außerdem ist auf den Fotos kein Lernfortschritt zu erkennen“, so Marika Kronenberg-Heider. Sie habe ein „schlechtes Gefühl“ bei der Familie. Das Ehepaar will vor Gericht um „Hanna“ kämpfen. Die Hundehilfe hingegen möchte eine „friedliche Lösung im Sinne des Hundes“. Ein Ende des Streits ist nicht in Sicht.

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