zur Navigation springen

Deutsche Bahn : Neumünster verliert ICE nach Berlin

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zum Jahresende wird die Verbindung wegen Fahrplanänderungen gestrichen.

Neumünster | Die Pläne der Deutschen Bahn, zum Jahresende die Intercity-Express (ICE)-Verbindung zwischen Kiel und Berlin zu kappen, hat im Landtag und in der Politik für heftige Debatten und viel Wirbel gesorgt. Was nur am Rande thematisiert wurde: Damit ist auch Neumünster abgekoppelt von seiner einzigen ICE-Verbindung in die Bundeshauptstadt.

In Zukunft wird statt des schnittigen Berlin-ICE nur noch ein Euro-City fahren. ICE-Züge sind die schnellsten und komfortabelsten Züge der Deutschen Bahn, sie haben weiße Triebwagen und sind ein durchgehender Zugkörper. Euro-City-Züge haben Loks als Triebwagen, die an den Zug gekoppelt werden. Die neue Euro-City-Verbindung dauert laut Bahn von der Förde bis an die Spree 15 Minuten länger, weil der EC anders als der ICE dreimal hält. Nötig wurde die Umstellung laut Bahn aufgrund der schrittweise geplanten Inbetriebnahme der Neubaustrecke Berlin-Nürnberg, die Auswirkungen auf ganz Deutschland hat.

Derzeit hat Neumünster noch fünf überregionale Bahnverbindungen: Drei ICE fahren nach Karlsruhe/Zürich, nach Stuttgart/München – und besagter ICE nach Berlin. Dazu kommen zwei Inter-Citys nach Köln. Ab Ende 2015 gibt es dann zwei ICE und drei Inter-/Euro-City-Züge. Nummer 3 ist der Ersatz für den Berlin-ICE, der dann nonstop nach Dresden und Prag fährt.

„Viele wollen in einem ICE reisen, aber die Anbindungen werden durch den Euro-City nicht schlechter für Neumünster“, erklärt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. Er sieht sogar einen Vorteil: „Es gibt jetzt eine umsteigefreie Verbindung nach Prag.“ Neue ICE-Verbindungen für Hamburg nützen Neumünster aber nichts; auch zwei neue ICE-Züge von Hamburg nach Alborg /Arhus können in Neumünster nicht halten, da die Trassenbelegung das nicht hergebe. „Wenn Neumünsteraner nach Dänemark wollen, müssen sie erstmal nach Flensburg fahren“, sagt Meyer-Lovis.

Ein Euro-City statt eines ICE nach Berlin – das sorgt bei ICE-Anhängern für Gemaule: Diese Premium-Verbindung wird von vielen hochgeschätzt, das zeigen die Diskussionen in der Politik, aber auch im Internet, wobei es sowohl Kritiker gibt („bahntechnische Zurückstufung“) als auch Reaktionen, die die Ausstattung des Euro-City abwarten wollen („Vielleicht gibt es als Entschädigung einen guten Speisewagen. Dann kann die längere Fahrzeit mit Bier aus Tschechien zum Genuss werden“).

Reaktionen gab und gibt es von allen Seiten. Der Kieler CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Stritzl schrieb einen Brief an Bahn-Chef Rüdiger Grube, in dem er fordert, diese Entscheidung zu überdenken. Kiel als Landeshauptstadt und Schleswig-Holstein als Urlaubsregion seien auf solche Zug-Verbindungen angewiesen, um zu vermeiden, dass Urlaubs- und Kreuzfahrtgäste und Geschäftsreisende ausblieben.

Im Neumünsteraner Rathaus herrscht keine Begeisterung, aber auch keine Katastrophenstimmung. Thorben Pries, Büroleiter des Oberbürgermeisters, formulierte es vorsichtig: „Wichtig wäre für Neumünster eine durchgängige ICE-Anbindung nach Berlin – ohne Umsteigen.“

Neumünster ist seit 20 Jahren an die ICE-Welt angekoppelt. „Rasante Zug-Premiere“ titelte der Courier am 25. September 1995. Am Vortag war um 10.18 Uhr der erste ICE in Schleswig-Holstein auf elektrifizierter Strecke zwischen Hamburg und Kiel in den Neumünsteraner Bahnhof eingefahren. Hunderte von Neumünsteranern nutzten die Gelegenheit, bei der historischen Premiere dabei zu sein, und quetschten sich in den überfüllten Zug. Aus Neumünster waren damals Stadtpräsident Helmut Loose und Bürgermeister Thomas Michaelis dabei. Im „Cockpit“ war damals Lokführer Bernhard Schricke (62) der Herr über 13 000 PS.

zur Startseite

von
erstellt am 03.Aug.2015 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen