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Holsteinischer Courier

21. Oktober 2017 | 23:43 Uhr

Denkmalschutz : Neumünster: Streit um Neubau

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gründerzeit-Villa an der Carlstraße soll neuem Wohnheim weichen. Die letzte Mieterin will nicht ausziehen und fordert Denkmalschutz für das Gebäude.

von
erstellt am 09.Sep.2013 | 05:00 Uhr

Neumünster, Carlstraße | Der Landesverein für Innere Mission in Rickling will in der Carlstraße ein neues Wohnhaus für betreutes Wohnen bauen. Dafür soll die Gründerzeit-Villa auf dem Grundstück Carlstraße 15 abgerissen werden. Die letzte verbliebene Mieterin des Hauses will das nicht hinnehmen und wehrt sich gegen ihre Kündigung. Sie fordert, das Haus mit der markanten Stuckfassade unter Denkmalschutz zu stellen.

Die Stadt lehnt das ab: „Wir haben uns das Objekt auf Hinweis der Mieterin angesehen und bewertet“, sagt Christiane Wilbrandt von der Unteren Denkmalschutzbehörde. Es sei zwar schade um jede markante Fassade, die aus dem Stadtbild verschwinde, bei objektiver Abwägung sei das Gebäude aber nicht wirklich denkmalwürdig, betonte Wilbrandt. Es sei insgesamt weder städtebaulich noch künstlerisch von besonderem Wert oder gar einmalig. Hinzu komme, dass der Originalzustand des Gebäudes schon durch frühere Umbauten und Sanierungen erheblich verändert worden sei, sagte die Expertin. Das Landesamt für Denkmalschutz habe das Gebäude daher als nicht schützenswert eingestuft.

Der Landesverein, der das Gebäude im vergangenen Jahr erworben hatte, verweist darauf, dass sich die geplante Nutzung als Wohnheim in der bestehenden Villa nicht umsetzen lasse. Der Verein hat bereits sowohl eine Abrissgenehmigung für das Haus, in dem sich derzeit noch mehrere Menschen aufhalten, als auch eine Baugenehmigung für das neue Wohnheim.

Sowohl im Stil als auch in der Ausstattung soll der Neubau der bestehenden Wohnanlage in der Carlstraße 13 gleichen und diese ergänzen. Die zwölf Zwei-Zimmer-Wohnungen verteilen sich über vier Etagen, die barrierefrei eingerichtet und erreichbar sein sollen. Insgesamt will der Landesverein rund 1,9 Millionen Euro investieren.

Geschäftsführer Claus von See begründet das Engagement mit der wachsenden Nachfrage nach betreuten Seniorenwohnungen: „Wir haben viele Anfragen von Senioren erhalten, die gern in eine der bestehenden Wohnungen gezogen wären. Da alle Wohnungen vermietet sind, kommen wir dem Bedarf mit dem Neubau nach“, sagt von See. Baustart soll noch in diesem Herbst sein, die Fertigstellung ist für Sommer 2014 geplant.

Der Landesverein ist Träger des Ansgarstiftes und hat im Umkreis des Stiftes bereits über 50 betreute Wohnungen vermietet. Auch die neuen Wohnungen sollen vom Ansgarstift mit betreut werden. So soll es etwa in allen Wohnungen Gegensprechanlagen geben, über die die Bewohner im Bedarfsfall Tag und Nacht Hilfe im benachbarten Altenpflegeheim anfordern können.

Mit der betroffenen Mieterin im Altgebäude suche man derzeit nach einer einvernehmlichen Lösung, sagte von See. Die Mieterin, seit zehn Jahren an der Carlstraße 15 zuhause, will sich mit ihrer Kündigung allerdings nicht abfinden und hat inzwischen einen Anwalt eingeschaltet: „Das Haus ist für mich wie eine Familie!“, sagt sie.

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