Statistik : Neumünster - Stadt der Verbrechen?

In überregionalen Zeitungen wird Neumünster als "Rekordhalter" der Kriminalität geführt. Die Polizei nimmt das Problem ernst und hat bereits reagiert - mit ersten Erfolgen.

shz.de von
02. September 2011, 08:01 Uhr

Neumünster | "Neumünster, der absolute Rekordhalter in Sachen Verbrechensstatistik", schrieb die Hamburger Morgenpost (Mopo) am Dienstag. Am Mittwoch berichtete die Bild: "Neumünster schlägt die deutsche Verbrechens-Hauptstadt Frankfurt." Beide Blätter beziehen sich bei dieser Einschätzung auf eine Studie des Bundeskriminalamts (BKA), in der allerdings die Kriminalität in Großstädten über 100.000 Einwohner untersucht wurde. Neumünster mit rund 75.000 Einwohnern war somit nicht dabei. Bei der Bewertung handelt es sich um eine Hochrechnung. "Die Stadt in Schleswig-Holstein schlägt trotzdem die gefährlichste Großstadt Deutschlands im aktuellen Ranking - Frankfurt am Main. Werden die Delikte auf die Einwohnerzahl umgerechnet, kommen die Hessen auf 15.977 Delikte pro 100.000 Einwohner, Neumünster auf 16.233", hieß es in dem Mopo-Artikel.
Rainer Bretsch, Leiter der Kriminalpolizei in Neumünster, nimmt die Aussage der Artikel ernst, auch wenn das Ergebnis eine Hochrechnung ist. "Es ist schon typisch für Neumünster, dass die Zahlen hier im Vergleich höher liegen", sagt er. Der Chef-Ermittler begründet: "Neumünster hat eine andere Struktur als andere Kreise und Städte, weil Neumünster keine ländliche Fläche hat, die einbezogen wird. Dort, wo die Menschen enger aufeinander leben, entstehen auch mehr Straftaten." Laut Bretsch waren es vor allem Jugend- und Internetkriminalität, die den Ermittlern in der Vergangenheit Sorgen machten. Und die schlugen sich auch in den Zahlen der Kriminalstatistik nieder. Die Polizei reagierte auf diese Entwicklung. Mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) der Stadt arbeitet sie unter präventiven Gesichtspunkten noch enger zusammen, wenn es um Jugenddelikte geht. Um die Computerkriminalität kümmerte sich eine eigene Ermittlungsgruppe. In beiden Bereichen sind die Zahlen seitdem rückläufig.
Mit der hohen Kriminalitätsrate steht Neumünster im Land übrigens nicht allein da. Auch die Stadt Rendsburg ist betroffen: "Da liegt die Zahl sogar noch höher", so Bretsch.

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