Vorwürfe gegen 33-jährigen Assistenzarzt : Neumünster: Sexueller Missbrauch im Behandlungszimmer?

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Mediziner soll 17-Jährige begrapscht haben und muss sich jetzt vor Gericht verantworten.

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03. August 2018, 08:30 Uhr

Neumünster | War es nur die harmlose Routineuntersuchung eines unerfahrenen Arztes oder der perfide getarnte sexuelle Übergriff auf eine 17-jährige Patientin? Die Kieler Staatsanwaltschaft tendiert zu letzterem und zitierte den den 33-jährigen Assistenzarzt am Donnerstag vor das Amtsgericht an der Boostedter Straße: Ihr Vorwurf: sexueller Missbrauch einer Schutzbefohlenen. Ein Delikt, für das in Deutschland immerhin eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren droht.

Der Arzt hatte seine Patientin im Februar vergangenen Jahres im FEK empfangen, in dem er damals ein vorübergehendes Praktikum absolvierte. Die junge Frau hatte sich auf Empfehlung eines Familienfreundes an den Arzt gewandt, um ihre Asthma-Erkrankung behandeln zu lassen.

Im Behandlungszimmer horchte der Arzt routinemäßig ihre Brust ab, irritierte die Frau aber erstmals, als er ihre Brust berührte, wie sie als Zeugin vor Gericht aussagte. Weil der Arzt sie beruhigt habe, das gehöre zur Untersuchung, habe sie dem aber keine weitere Bedeutung beigemessen. Der Arzt forderte die junge Frau dann auf, sich auf die Untersuchungsliege zu legen und die Hose zu öffnen.
 

„Keine normale Untersuchung“

Das sei notwendig gewesen, um auch ihren Klagen über Unterleibschmerzen nachgehen zu können, ließ der Arzt über seinen Verteidiger vortragen. Merkwürdig: Auf Nachfragen des Richters konnte sich die Zeugin nicht an Unterleibbeschwerden erinnern.

Laut Anklage soll der Arzt die junge Frau dann mit der Hand im Schambereich berührt haben. Wie sich das genau abspielte, mochte die inzwischen volljährige junge Frau in öffentlicher Verhandlung nicht sagen: „Er hat Sachen gemacht, die nicht zu einer normalen Untersuchung gehören“, lautete ihre verschämt vorgetragene Aussage. Mit Rücksicht auf die junge Frau wurde die Öffentlichkeit während ihrer weiteren Aussage ausgeschlossen.

Fest steht, dass die Frau die Untersuchung im FEK abbrach, das Arztzimmer fluchtartig verließ und sich sofort an die Polizei wandte. Noch am selben Tag hatte offenbar der damalige Freund der jungen Frau versucht, den Arzt zur Rede zu stellen. Dieser soll darauf unwirsch und mit Gegenvorwürfen reagiert haben: Gegen seinen Rat habe sich die Frau einer stationären Aufnahme im FEK entzogen.

Das Gericht will jetzt den Freund als Zeugen vorladen, um sich ein genaueres Bild von der Verfassung der jungen Frau unmittelbar nach dem Arztbesuch zu machen: Sie soll die Praxis nämlich tränenüberströmt verlassen haben. Der Prozess wird am 13. August fortgesetzt.

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