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Radargestützte Verkehrsführung : Neumünster setzt auf „schlaue Ampeln“

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Anlage vor dem Rathaus kann künftig eigenständig entscheiden, welche Fahrspur länger Grün erhalten soll.

von
erstellt am 06.Jun.2015 | 08:00 Uhr

Neumünster | Aufmerksamen Autofahrern dürfte es nicht entgangen sein: Die Bogenmasten der Ampelanlage vor dem Rathaus werden seit ein paar Tagen von auffällig unaufälligen schwarzen Kästchen geschmückt, die ganz nach Kamera aussehen. Sie haben richtig beobachtet: Techniker der Firma Siemens, die in Neumünster die Ampelanlagen warten, haben damit begonnen, die komplette Kreuzung mit kleinen Radardetektoren und Minikameras nachzurüsten, die die komplette Ampelanlage sozusagen schlauer machen soll.

„Die Kameras und Detektoren registrieren für ihre Fahrspuren jeweils, wie viele Autofahrer bereits vor der Ampel warten oder auf sie zufahren“, erklärt IT-Systemtechniker Christopher Hein das Verfahren. Die Daten laufen in einem Minirechner zusammen und werden miteinander verglichen. Der Clou: Die Anlage kann dann anhand der Daten eigenständig entscheiden, welchen Fahrtrichtungen sie mehr und welchen sie weniger Grün einräumen sollte, um den Verkehr am Fließen zu halten. „Das ist ein intelligentes System“, begeisterte sich IT-Spezialist Hein.

Damit das Ganze nicht aus dem Ruder laufen kann und mit den nächsten Nachbar-Ampeln kollidiert, bleiben die intelligenten Ampeln aber dennoch unter der Oberaufsicht des Verkehrsrechners, beruhigt Sönke Folster, im Tiefbauamt der Stadt für die Technik verantwortlich. Auch von Videokameras will Folster eigentlich nicht reden. Die Minikameras würden zwar die Bewegungen des Verkehrs registrieren, aber eine Identifizierung einzelner Fahrzeuge sei mit dem System nicht möglich und auch nicht gewollt, versichert Folster: „Uns geht es darum, den Verkehr noch genauer messen und die Verkehrslenkung noch feiner justieren zu können“, sagte er.

Das hatte die Stadt gerade auch mit Blick auf die politische Diskussion um die Sperrung oder Nicht-Sperrung des Großfleckens versprochen. Nach dem klaren Bürgerentscheid gegen die Sperrung im Mai vergangenen Jahres steht die Stadt in der Pflicht, den Verkehr auf dem Großflecken auf anderem Wege zu drosseln beziehungsweise besser zu steuern. Einen Beitrag dazu soll der Bau neuer Abbiegespuren auf dem Kuhberg beiderseits der Gänsemarktkreuzung leisten. Ein weiterer könnte darin bestehen, den Zufluss der Autos auf den Großflecken noch feiner zu justieren, um Staus vor oder auf dem Großflecken möglichst zu verhindern. Auch die Gänsemarktkreuzung soll daher nach dem Umbau mit der intelligenten Steuerung nachgerüstet werden.

Die schlauen Ampeln sind übrigens nicht ganz neu in Neumünster. Ähnliche Steuerungen gibt es bereits an der Kreuzung Brachenfelder /Marienstraße oder an der Fußgängerampel über die Plöner Straße in Höhe der Gemeinschaftsschule. Die Nachrüstung an der Kreuzung vor dem Rathaus kostet nach Auskunft der Stadt rund 5000 Euro.

 

STANDPUNKT

Von Jens Bluhm

Besserer Verkehrsfluss über den Großflecken? – Da sind wir aber gespannt. Halten wir vorab schon mal fest:  Die große Kreuzung vor dem Rathaus krankt unter anderem daran, dass der Verkehr aus dem Haart nicht auf den Großflecken weiterfahren kann. An dem „ gewachsenen Straßennetz aus der Zeit als der Verkehr noch aus wenigen Pferdefuhrwerken bestand, wird vermutlich auch modernste Technik wenig ändern. Leider.

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