Haushalt : Neumünster schafft 6,4 Millionen Euro Überschuss

dpa_148da00027fa0706

2014 hat Neumünster mehr Geld eingenommen als ausgegeben. Dadurch ist auch der Schuldenstand gesunken

Avatar_shz von
25. Juni 2015, 06:30 Uhr

Neumünster | Der Sanierungskurs der Stadt zahlt sich jetzt deutlich aus. Im vergangenen Jahr hat die Stadt einen Überschuss von 6,4 Millionen Euro erzielt. Das ist bereits das dritte positive Ergebnis in vier Jahren. Die Zahlen legen Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras und Stadtkämmerer Oliver Dörflinger den Ausschüssen und der Ratsversammlung jetzt vor.

Es sind noch vorläufige Zahlen für 2014, aber sie liegen deutlich über der Prognose, die Dörflinger dem Finanzausschuss vor etwa einem Jahr für 2014 gestellt hatte: Damals sprach er lediglich von „einer schwarzen Null“. Allerdings kalkuliert (und kommentiert) Dörflinger generell sehr vorsichtig. Besonders deutlich wird das, wenn man in die ursprüngliche Planung schaut: Die 6,4 Millionen Euro Überschuss liegen um 12,2 Millionen darüber – es war also mit einem Defizit von knapp 6 Millionen kalkuliert worden.

Zum Vergleich die Abschlüsse der vorherigen drei Jahre:

2011: +12,3 Millionen Euro (Sonderfall, weil die Millionen aus dem Verkauf des DOC-Grundstücks geflossen sind)

2012: -2,3 Millionen Euro

2013: +1,4 Millionen Euro

Gleich auf der ersten Seite der Unterlagen für den Rat nennt die Verwaltung ehrlich die Gründe für das gute Ergebnis: „Wesentliche Einflussfaktoren dieser Entwicklung sind hohe Steuererträge und Schlüsselzuweisungen.“ Allein durch Steuern kamen im vergangenen Jahr 75 Millionen Euro in die Kasse (bei geplanten 69 Millionen). Die Schlüsselzuweisungen, also Zuschüsse vom Land, kletterten 2014 auf stolze 50,2 Millionen Euro; in den drei Vorjahren waren es 38 bis 41 Millionen.

Durch die positive Entwicklung ist auch Neumünsters Schuldenstand auf 163 Millionen Euro gesunken. Zwar wurden in den vergangenen Jahren viele Kredite für Investitionen aufgenommen (Gefahrenabwehrzentrum, Schulbauten etc), aber die teuren Kassenkredite wurden deutlich reduziert: von 52 Millionen (2011) auf jetzt noch 36,4 Millionen.

Kritisch merkt die Verwaltungsspitze an: „Es bleibt festzuhalten, dass eine starke Abhängigkeit von der Ertragslage besteht und die Kassenkredite weiter konsequent zu reduzieren ist.“ Mögliche finanzielle Risiken sehen Tauras und Dörflinger in einer Abschwächung der Konjunktur, in einer Ausweitung des Betreuungsumfangs in den Kindertagesstätten und weiter in der sozialen Struktur der Stadt: Die Ausgaben für Soziales sind seit 2011 von knapp 90 auf zuletzt 103 Millionen Euro gestiegen.

Im Dezember 2010 hatte die Ratsversammlung die Sanierung des Haushalts eingeleitet. Nach einem monatelangen Prozess, den der OB in der Stadtverwaltung initiiert hatte, wurden mehr als 200 Einzelpunkte beschlossen und nach und nach umgesetzt (der Courier berichtete).

Kommentar von Thorsten Geil:

Keine Frage: Die jüngsten Zahlen des städtischen Haushalts sehen beeindruckend gut aus. Neumünster ist trotz der horrenden Ausgaben für Soziales eine Vorzeigestadt geworden. Zum Vergleich: Kiel hat 2014 ein Defizit von 94 Millionen erwirtschaftet, Flensburg rechnet dieses Jahr mit einer Lücke von 14 Millionen.

Aber auf dem kleinen Überschuss darf Neumünster sich nicht ausruhen. Die Wirtschaft muss nicht einmal zusammenbrechen, nur ein bisschen schwächeln, dann überweisen die Steuerzahlern ganz schnell zehn Millionen weniger, und alle Vorzeichen stehen wieder auf rot. Es gilt, wachsam zu bleiben und das Geld weiter zusammenzuhalten.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen