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Bekennerschreiben am Stall : Neumünster: Mutmaßliche Tierschützer klauen Neunjähriger Kaninchen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die kleine Kim Weichler trauert um ihre Zwergkaninchen. Die Familie ist fassungslos und hat Anzeige erstattet.

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Neumünster | Die kleine Kim ist tieftraurig und fassungslos. Denn dreiste Diebe stahlen ihre zwei Zwergkaninchen Neo und Moritz aus dem Stall, der neben der Haustür steht. „Das ist so gemein. Wer tut denn so etwas?“, fragt sie sich. Ihr Vater Björn Weichler ist wütend und bestürzt angesichts des Leids, das man seiner Tochter angetan hat. Die Tat passierte vermutlich in der Nacht zu Montag.

Kim entdeckte den Diebstahl der Tierchen, als sie am Montagmorgen wie jeden Morgen ihre zwei Lieblinge mit frischem Grün und frischem Wasser versorgen wollte. „Ich sah aus dem Kinderzimmerfenster hinunter und sah ihr entsetztes Gesicht“, erinnert sich der Vater. „Die Kaninchen sind weg, und da liegt ein Zettel im Stall“, rief sie ihm zu. Die ganze Familie ist in Aufruhr. „Mir fehlen echt die Worte“, sagt der Vater, der Anzeige bei der Polizei erstattet hat.

Auf dem Zettel schreiben angebliche Tierschützer: „Wir haben Euer Kaninchen aus seinem Gefängnis befreit. Ihr seid Tierquäler! Kaninchen sind Rudeltiere und brauchen viel Platz! Es lebt jetzt an einem schöneren Ort“, heißt es in dem Brief, der unterzeichnet ist mit „Die A.L.F.“. Dahinter verbirgt sich vermutlich die Animal Liberation Front, militante Tierschützer, die in den USA als terroristische Vereinigung klassifiziert sind.

Björn Weichler kann das Ganze nicht verstehen: „Da wurde mit Vorsatz fremdes Eigentum gestohlen – und nicht nur das. Die Kaninchen sind doch Familienmitglieder. Das ist ein echter Verlust.“ In der Nacht zu Montag hörte Ehefrau Dragica gegen 2.20 Uhr ein lautes Geräusch und vermutet, dass Neo, das etwas frechere Kaninchen, heftig mit den Hinterläufen getrommelt haben muss oder dass eine Stalltür zu- oder aufgeklappt wurde.

Gedanken macht sich der Vater über die Beweggründe: „Es mag ja Menschen geben, die meinen, einen Missstand zu entdecken, dann kann man doch darüber reden. Das rechtfertigt aber nicht, in die Intimsphäre einer Familie einzudringen.“ Was ihn besonders erbost: „Erstens ist die Rede von einem Kaninchen, es sind aber zwei. Und sie hatten es sehr gut bei uns.“ Denn Opa Ekkehard Weichler hatte extra einen sehr großen Stall mit zwei Etagen gebaut, davor steht ein großer mobiler Auslauf. Die Familie hatte es sich reiflich überlegt, die Tiere anzuschaffen: „Kim wollte schon lange ein Tier. Erst als sie sieben Jahre alt war, gingen wir zu einer Züchterin und kauften zwei Kaninchen, damit nicht eines alleine bei uns lebt.“

Unglaublich findet der Vater die Drohung im zweiten Teil des Briefes: „Solltet ihr Euch ein neues Tier holen, werden wir auch das holen kommen! Wir beobachten Euch!“ Der Vater kann nur vermuten: „Die Tiere sind von den Dieben woanders zu weiteren Komplizen gebracht worden.“ Er appelliert: „Diese Menschen sollen nachdenken, was sie meiner Tochter angetan haben, über ihren Schatten springen und die Tiere an uns zurückgeben.“ Er hofft: „Vielleicht ist es ja nur ein Dumme-Jungen-Streich.“

Ohne die Kaninchen sind es „komische Tage“, sagt Kim, die Dienstagmorgen weinte, als sie den leeren Stall sah. Doch sie ist tapfer, ging wie immer zur Schule. Ihre Mitschüler aus der 3c auf der Grund- und Gemeinschaftsschule Einfeld sind ebenfalls empört und fassungslos.

Die Polizei ist informiert. Hinweise werden unter Tel. 04321/9450 entgegengenommen, sagt Sprecher Sönke Hinrichs.

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