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Prozess in Kiel : Neumünster: Messerstich am Kösten-Freitag war ein Unfall

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Landgericht spricht einen 29-Jährigen von der Gewalttat frei. Wegen anderer Delikte muss er dennoch in Haft.

Neumünster | Der lebensgefährliche Messerstich am Holstenkösten-Freitag 2015 war eine Art Unfall beim Gerangel zwischen den Kontrahenten und kein gezielter Stich. Zu dieser Überzeugung gelangte gestern die 10. Strafkammer des Kieler Landgerichts und sprach den Angeklagten Mike B. (29) in diesem Punkt frei. Dennoch muss der Neumünsteraner für zwei Jahre und sieben Monate ins Gefängnis. In dem Prozess, der seit Mitte November geführt wurde, ging es nämlich noch um weitere Taten. Für einen Einbruch, zwei Diebstähle – davon einer mit Waffen – und zwei Körperverletzungen wurde der vorbestrafte Mann verurteilt.

„Es ist kein Freispruch erster Klasse“, erklärte die Vorsitzende Richterin in ihrer Urteilsbegründung die Entscheidung zu der Bluttat vom 12. Juni, die in der Anklage noch besonders schwer gewogen hatte. Laut Staatsanwaltschaft soll Mike B. an dem heißen Sommertag zuerst mit einem Bekannten (24) Parfüm gestohlen haben. Als sie die Beute in einem An- und Verkaufsladen an der Ecke Wasbeker Straße/Fabrikstraße verkaufen wollten, gerieten sie in Streit. Dabei wurde dem Jüngeren ein Messer in die Brust gestochen.

Im Prozess hatte der Angeklagte stets beteuert, dass die Verletzung keine Absicht gewesen sei. „Wir stritten. Ich fiel hin und er auf mich rauf. Dabei muss ich ihn verletzt haben“ sagte der Mann. „Es gibt keine ausreichende Tatsachengrundlage, um diese Einlassung zu widerlegen“, erklärte die Richterin. Mehrere Zeugen hatten die Männer fallen sehen. Ein Rechtsmediziner hatte zudem von einem „für einen gezielten Stich ungewöhnlichen Stichverlauf“ gesprochen.

Weil Mike B. bereits seit Jahren mit Diebstählen, Einbrüchen und auch mit Gewalttaten auffiel, wogen die anderen Anklagepunkte schwer: Nachdem er erst kurz zuvor aus einer Therapie gekommen war und noch unter Bewährung stand, soll er wenige Tage vor der Bluttat ein Auto aufgebrochen und Geld gestohlen haben.

Außerdem war er laut Anklage in ein Einfamilienhaus eingestiegen und hatte teure Technik und Schmuck mitgenommen. Bei Karstadt stahl er sechs Flaschen Parfüm, die später den Streit auslösten. Die Diebstähle wertete die Kammer als gewerbsmäßig. Offenbar bestritt der nahezu mittellose Mann damit seinen Lebensunterhalt.

Deshalb folgten die Richter auch nicht dem Antrag des Verteidigers, der seinen Mandanten gern vorerst aus der Haft geholt hätte. „Sie würden in dieselbe Lebenssituation zurückkehren und wieder Diebstähle begehen“, begründete die Vorsitzende ihre Entscheidung.

In das Urteil floss außerdem eine weitere Gewalttat mit ein. So soll Mike B. aus Eifersucht mit einem Messer auf einen Freund (24) losgegangen sein, so dass dieser in Panik im zweiten Stock aus einem Fenster sprang und sich leicht verletzte. Außerdem soll Mike B. seine damalige Freundin geschlagen haben.

Mit der Haftstrafe kam die Kammer den Vorstellungen der Verteidigung entgegen, die den Hauptvorwurf ebenfalls als Unfall gewertet hatte. Der Anwalt hatte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten für angemessen gehalten. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hingegen waren von einem gezielten Stich ausgegangen und hatten vier Jahre und zwei Monate Haft gefordert.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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erstellt am 18.Dez.2015 | 18:46 Uhr

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