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Jugendliche Flüchtlinge : Neumünster ist Modell fürs Land

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Vorläufige Inobhutnahme von jugendlichen Flüchtlingen im früheren Polizeirevier steht Pate auch für weitere solche Einrichtungen

Neumünster | Gestern fanden sieben weitere minderjährige Flüchtlinge Obhut im früheren Dienstgebäude der Polizei an der Parkstraße 27. Damit waren es dort 27, doch die Zahl wird noch weiter steigen. Insgesamt ist die vom Jugendhilfeträger Iuvo betreute Einrichtung auf 56 Plätze ausgelegt. Iuvo-Geschäftsführerin Silke Kuleisa erwartet, dass das Haus noch in dieser Woche voll belegt ist.

Gestern besuchte Schleswig-Holsteins Sozialministerin Kristin Alheit die Einrichtung. „Neumünster ist ein Modellprojekt“, sagte die Ministerin. Überall seien die Jugendaufnahmestellen vollgelaufen. „Deswegen sind solche vorläufigen Inobhutnahmen wie in Neumünster, aber auch weitere feste Einrichtungen nötig“, sagte Kristin Alheit. Sie rechnet damit, dass in diesem Jahr insgesamt 2500 junge Flüchtlinge ohne Elternbegleitung nach Schleswig-Holstein gelangen.

Zurzeit ist Neumünsters Jugendamt für 365 jugendliche Flüchtlinge zuständig. „Die sind schon aus Platzgründen nicht allein in Neumünster untergebracht“, sagte Jörg Hellberg, der Fachdienstleiter des Allgemeinen sozialen Dienstes (ASD).

Im ehemaligen Polizeirevier an der Parkstraße finden die Jugendlichen, die überwiegend aus Afghanistan und Syrien stammen, „einen sicheren Ort, sozialpädagogische Betreuung, eine Tagesstruktur und natürlich Unterstützung beim Spracherwerb“, erläuterte Claudia Langholz vom Iuvo-Träger Norddeutsche Gesellschaft für Diakonie. Die Jugendlichen sollen für vier bis sechs Wochen an der Parkstraße bleiben und kommen dann zu ihren festen Wohngruppen.

Dass es ein wenig länger dauerte als von Silke Kuleisa erhofft, liegt an den strengen Anforderungen des Brandschutzes. Die Außenrettungstreppe ist erst am vergangenen Freitag fertig geworden. Erst seitdem sind auch die beiden obersten Geschosse nutz- und bewohnbar. Das Land hat die Liegenschaft zur Verfügung gestellt und zahlte auch die Gebäudesanierung und den Umbau. Jede der vier Wohngruppen wird von vier Erziehern oder Sozialpädagogen betreut. Dazu kommen weitere Honorarkräfte, etwa Dolmetscher. Es gibt eine Nachtbereitschaft und 24-Stunden-Rufbereitschaft. Ein Sicherheitsdienst wacht am Eingang. Die Jugendlichen können sich aber frei in der Stadt bewegen.

„Sie sind freundlich, aufgeschlossen und wollen ganz schnell Deutsch lernen“, sagte Silke Kuleisa. Unterrichtet werden sie von Lehrern, auch vielen Ehrenamtlichen. „Es gibt viele Initiativen in Neumünster, die sich aktiv einsetzen für die minderjährigen Flüchtlinge“, sagte Claudia Langholz. Das reiche vom Sportverein bis zum Paten, der etwas mit den Jugendlichen unternimmt. Langholz: „Solche Alltagssituationen sind gut für den Spracherwerb, und Deutschkenntnisse sind die Bildungs- und Ausbildungsperspektive natürlich der Schlüssel.“

 

 

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erstellt am 03.Nov.2015 | 08:30 Uhr

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